"Physical Internet": Logistik-System nach dem Vorbild des WWW

8. März 2014, 18:05
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Effizienter, flexibler und nachhaltiger soll der Güterverkehr der Zukunft werden - Die TU-Graz entwickelt im Rahmen eines EU-Projekts modulare Transportboxen

Graz - Leer- und Halbleerfahrten von Gütertransporten sind nicht nur kostenintensiv, sie belasten auch die Umwelt. Ein europäisches Entwicklungskonsortium sucht nach dem Vorbild des Internets nach Wegen, Güterströme weltweit effizienter, flexibler und nachhaltiger abzuwickeln: Ein genormtes modulares Behältersystem, synchronisierte Lieferungen, ein gemeinsames Transportnetz und die gemeinsame Nutzung von Ladekapazitäten sind dabei die zentralen Anforderungen. An der TU Graz wird dazu eine neuartige mobile Transportbox entwickelt.

Problem der Individualität

Aus der Perspektive der ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit bietet die Art und Weise, wie Güter weltweit transportiert, umgeschlagen und gelagert werden, noch viel Raum für Verbesserung. Bisher sind große Warenhändler nach wie vor Einzelkämpfer am Güter-Highway - mit Verteilerzentren für den eigenen Zweck, eigener Transportflotte und eigenem System der Warenlieferung, schildert Christian Landschützer vom Institut für technische Chemie der TU Graz. "Diese Individualität der Logistikbranche ist der Grund dafür, dass das System trotz vieler Bemühungen relativ unflexibel, ineffizient und wenig umweltfreundlich ist", so Landschützer.

Mithilfe von vernetzten IT- und Logistikstrukturen will das EU-Projekt "MODULUSHCA" (Modular Logistics Units in Shared Co-Modal Networks) Lösungen zur Steigerung der Transporteffizienz entwickeln. Das Team der TU Graz ist in dem bis vorerst 2015 finanzierten Projekt mit der Entwicklung der modularen Transportboxen beauftragt worden. "Bis 2030 wollen wir das Ziel des globalen physischen Internets erreichen", schildert Landschützer.

Erster Prototyp im Test

Eine große Herausforderung stellt sicherlich die Entwicklung von Konzepten dar, wie die konkurrenzierenden Händler ihre Logistiktätigkeiten bündeln und operativ vernetzen können. "Wir brauchen standardisierte und flexible Transportbehälter, die über 30 verschiedene Kriterien erfüllen müssen", schilderte der Forscher. Die Boxen sollen sich u.a. recyceln, stapeln und untereinander verbinden lassen, in sämtliche Transportmittel passen und in verschiedenen Größen je nach Bedarf kombinierbar sein.

Mittlerweile ist der erste Prototyp entwickelt und gefertigt worden, derzeit erfolgen umfangreiche Belastungs- und Funktionstests. Ende Mai sollen erste Tests im realen Warenumlauf starten. (APA/red, derStandard.at, 8.3.2014)

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