Janukowitschs Flucht auf die Krim

24. Februar 2014, 18:10
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Ex-Staatschef setzte sich per Hubschrauber und Limousine auf die Krim ab

Gegen den gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowitsch und weitere Vertreter der bisherigen Staatsführung wird wegen "Massenmords" ermittelt, teilte der interimistische Innenminister Arsen Awakow, ein Angehöriger von Julia Timoschenkos Vaterlandspartei, am Montag auf seiner Facebook-Seite mit. Nach seiner Darstellung ist Janukowitschs Flucht wie folgt abgelaufen:

Freitag, 21. 2., abends: Janukowitsch und enge Vertraute, darunter Präsidialamtschef Andrej Kljujew, fliegen mit Hubschraubern ins ostukrainische Charkiw. Dort wollen sie am Samstag an einem Kongress von regierungstreuen Gouverneuren, Bürgermeistern und Abgeordneten teilnehmen.

Samstag, 22. 2., tagsüber: Janukowitsch hält sich in einer Staatsresidenz in Charkiw auf. Eine Teilnahme am Kongress lehnt er nun ab. In einem Interview betont er, er werde weder zurücktreten noch das Land verlassen. Später fliegt er per Hubschrauber nach Donezk.

Samstagabend: Gemeinsam mit bewaffneten Leibwächtern will Janukowitsch am Flughafen Donezk in zwei VIP-Maschinen vom Typ Falcon umsteigen. Der Grenzschutz verweigert die Abfertigung. Janukowitsch wird in einer gepanzerten Limousine in eine Residenz gefahren, von wo er später in Richtung der Halbinsel Krim aufbricht.

Sonntag, 23. 2., tagsüber: Janukowitsch sucht Zuflucht in einem privaten Erholungsheim auf der Krim. Staatliche Gebäude meidet er. Als er erfährt, dass die Interimschefs von Innenministerium und Geheimdienst auf dem Weg zur Krim sind, fährt Janukowitsch in Richtung des internationalen Flughafens Sewastopol - doch dort landen bereits die neuen Machthaber.

Sonntagabend: Janukowitsch bricht die Fahrt ab und lässt sich zu einer Privatresidenz bei Balaklawa bringen. Er bietet seinen Leibwächtern an zurückzubleiben und verzichtet schriftlich auf staatlichen Schutz. Ein Teil der Sicherheitskräfte zieht daraufhin ab. Die übrigen Wachen und Kljujew besteigen gemeinsam mit Janukowitsch insgesamt drei Fahrzeuge und fahren in unbekannte Richtung davon. (DER STANDARD, 25.2.2014)

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