Nokia X ausprobiert: Android-Basis mit Nokia-Verzierung

Video25. Februar 2014, 11:16
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Die neue Smartphone-Serie für Einsteiger zapft Googles App-Ökosystem an, ohne Google-Services zu nutzen

Android-Apps mit Nokia-Experience und Microsoft-Services. So ordnete Stephen Elop am Mobile World Congress die neue Nokia-X-Serie ein. Zwischen der "brennenden Plattform" und den ersten Smartphones mit Android liegen nun drei Jahre. Obwohl die Handysparte des finnischen Konzerns mittlerweile an Microsoft verkauft wurde, setzt der Konzern für seine neuen Mittleklasse-Geräte nicht auf Windows Phone, sondern auf Googles Betriebssystem. Dabei versucht Nokia so wenig Google wie möglich auf die X-Serie zu packen. Der WebStandard konnte einen ersten Blick auf das X, das X+ und das XL werfen.

Design

Für das Design hat sich Nokia an der eigenen Lumia-Serie orientiert. Simple Formen, ein robustes Gehäuse aus Polycarbonat und knallige Farben kennzeichnen auch das Erscheinungsbild der X-Modelle. X und X+ verfügen beide über einen 4 Zoll großen IPS-Bildschirm, das XL ist mit einem 5-Zoll-Display ausgestattet. Die Screens nutzen fast den gesamten Platz der Vorderseite aus und waren zumindest im Kunstlicht auf dem Messestand des Herstellers gut zu lesen.

Hardware

Preislich im unteren bis mittleren Feld angesiedelt, entspricht auch die Hardware dieser Kategorie. Das Nokia X ist mit 512 MB RAM und 4 GB Speicher ausgestattet, der sich durch Speicherkarten erweitern lässt. Das X+ bietet 786 MB RAM und bringt eine Speicherkarte im Lieferumfang mit. Beide Modelle sind mit einer 3-Megapixel-Kamera ausgestattet. Nur das XL verfügt auch über eine 2-Megapixel-Frontkamera. Die besseren Fotofeatures bleiben den Lumia-Modellen vorbehalten. Alle drei Geräte unterstützten Dual-SIM-Karten und werden von einer mit 1 GHz getakteten Qualcomm-CPU (Dual-Core Snapdragon S4) angetrieben. Das XL verbaut einen 2.000mAh-Akku, das X und X+ einen Akku mit 1.500mAh.

Software

Nokia setzt die Software der X-Serie ähnlich wie Amazon bei seinen Kindle-Tablets auf Android auf, ohne die Google Services wie den Play Store zu nutzen. "Wir haben die Google-APIs durch Nokia-APIs ersetzt", so Elop. Als Basis für die "Nokia X OS Platform" dient die bereits ältere Android-Version 4.1.2.

Angebunden sind die Geräte an die Microsoft-Cloud, nicht an Google, wie Elop im Rahmen der Präsentation mehrfach betonte. So ist OneDrive (vormals Skydrive) vorinstalliert, ebenso wie Skype und die Nokia-Anwendungen Here Maps und Mixed Radio.

Die Benutzeroberfläche der X-Serie teilt sich in zwei Bereiche. Zum einen gibt es den Homescreen mit Kacheln, die stark an Windows Phone erinnern. Durch längeres Antippen lassen sich diese frei am Screen arrangieren. Zum anderen den Fastlane-Screen mit Zugriff auf häufig bzw. zuletzt genutzte Anwendungen, Einstellungen sowie Widgets wie einem Musikplayer. Gewechselt werden kann durch eine einfache Swipe-Geste nach links oder rechts. Die Benutzung wirkt auf den ersten Blick flüssig und intuitiv. Wie sich die Bedienbarkeit ändert, wenn mehrere Apps auf den Geräten laufen, konnte in der kurzen Testzeit nicht ausprobiert werden.

Apps

Nach Nokia-Angaben laufen alle Android-Apps, die keine Google Services nutzen. In diesem Fall sind von den Entwicklern Anpassungen erforderlich. Beziehen können Nutzer die Apps über den eigenen Nokia Store sowie Drittanbieter-App-Stores, wie etwa Yandex. Da sich die Geräte auch an eine weniger zahlungskräftige Zielgruppe richten, können die Apps im Nokia-Store auch ohne Kreditkarte, über die Mobilfunkabrechnung bezahlt werden.

Hands-On-Video des Nokia X

Im kurzen Hands-on hat die Nokia-X-Serie einen durchaus passablen Eindruck hinterlassen. Vor allem die Verarbeitung der Smartphones wirkt für Lowcost-Geräte hochwertig und stabil. Angesichts der Preisklasse liegen Kamera, Prozessor und Speicher im Bereich des Erwartbaren. Das X kostet 89 Euro, das X+ 99 Euro und das XL 109 Euro, wobei hier noch Steuern hinzukommen. Das X startet sofort, die beiden anderen Modelle sollen Anfang des zweiten Quartals erhältlich sein.

Fraglich ist die Zukunftstauglichkeit der Plattform. Nokia zapft das umfangreiche Ökosystem von Android an und versucht es mit Nokia- und Microsoft-Services zu koppeln. Diese sind allerdings nur zum Teil exklusiv, so steht etwa OneDrive als eigene App auch anderen Android-Smartphones zur Verfügung, ebenso wie Skype. So bietet die X-Serie im Grunde kaum etwas, was andere günstige Android-Smartphones nicht bereits erfüllen. (Birgit Riegler aus Barcelona, derStandard.at, 24.2.2014)

  • Nokia hat mit dem X/X+ (links) und dem XL seine ersten Smartphones auf Basis von Android vorgestellt.
    foto: derstandard.at/riegler

    Nokia hat mit dem X/X+ (links) und dem XL seine ersten Smartphones auf Basis von Android vorgestellt.

  • Die Benutzeroberfläche ist in zwei Bereiche geteilt: den Homescreen mit Windows-Phone-artigen Kacheln, die durch längeres Antippen angeordnet werden können ...
    foto: derstandard.at/riegler

    Die Benutzeroberfläche ist in zwei Bereiche geteilt: den Homescreen mit Windows-Phone-artigen Kacheln, die durch längeres Antippen angeordnet werden können ...

  • ... und den "Fastlane"-Screen mit Zugriff auf oft bzw. kürzlich genutzte Anwendungen und Widgets.
    foto: derstandard.at/riegler

    ... und den "Fastlane"-Screen mit Zugriff auf oft bzw. kürzlich genutzte Anwendungen und Widgets.

  • Optisch erinnert die X-Serie an Nokias Lumias mit Polycarbonat-Gehäuse in knalligen Farben.
    foto: derstandard.at/riegler

    Optisch erinnert die X-Serie an Nokias Lumias mit Polycarbonat-Gehäuse in knalligen Farben.

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