Handel: "Festplattenabgabe könnte bis zu 2.000 Jobs kosten"

24. Februar 2014, 10:52
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Wirtschaftskammer warnt: "Existenzbedrohend für viele Unternehmen"

Die Wirtschaftskammer, Sparte Maschinen- und Elektrohandel, warnt im Einklang mit mehreren Elektrohändlern auf einer Pressekonferenz vor einer möglichen Einführung der Festplattenabgabe. Laut ersten Berechnungen der Wirtschaftskammer könnte diese zu einem Umsatzrückgang von 135 Millionen Euro führen, wodurch 1.000 bis 2.000 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Ulrich Fuchs, Obmann des Bundesgremiums Maschinenhandel in der WKÖ, wirft der Bundesregierung vor, die Folgen einer Festplattenabgabe für den Elektrohandel zu ignorieren: "Scheinbar hat sich bisher niemand in der Regierung die wirtschaftlichen Konsequenzen überlegt."

"Unternehmen aus dem Markt drängen"

Händler befürchten vor allem, dass Konsumenten bei einer Einführung der Festplattenabgabe ihre elektronischen Speichermedien künftig online im Ausland bestellen könnten. Thomas Schöfmann, Geschäftsführer der Elektrokette Conrad: "Die Kunden weichen dorthin aus, wo es günstiger ist." Heimische Händler könnten mit diesen Preisen nicht mehr mithalten. Besonders schlimm treffe es dann Klein-und Mittelhändler wie etwa Alexander Peretti von der 0815 Online-GmbH. Peretti: "Eigentlich sollten kleine Betriebe unterstützt werden, weil sie Arbeitsplätze schaffen. Aber dann überlegt man neue Abgaben, die Unternehmen wie uns aus dem Markt drängen."

"Fass ohne Boden"

Peretti, Fuchs und Schöfmann bezeichnen die Festplattenabgabe auf der Pressekonferenz als "Fass ohne Boden", weil sie theoretisch nicht nur auf Handys, Laptops oder Digitalkameras, sondern etwa auch auf Autos ausweitbar wäre. Bei einer fortschreitenden Verbreitung des "Internets der Dinge" werde sich bald in jedem Elektrogerät ein Speicher befinden, auf den theoretisch Abgaben zu bezahlen seien.

Weitere Gespräche

Man begrüße, so Peretti, allerdings das Angebot von SPÖ-Kulturminister Ostermayer, in Einzelgesprächen und einem runden Tisch den Diskurs über die Festplattenabgabe oder andere Urheberrechtsmodelle weiter fortzuführen. Ostermayer hatte sich kürzlich für die Festplattenabgabe ausgesprochen und sie als "realistischste Variante" eingestuft. Nach heftigen Protesten von Arbeiterkammer, Netzaktivisten und Elektrohandel war das Ministerium allerdings vergangene Woche zurückgerudert und hatte eine weitere Diskussion zur Urheberrechtsnovelle vereinbart. (fsc, derStandard.at, 24.2.2014)

  • Weiter heftig umstritten: Die Festplattenabgabe, mit der "Privatkopien" auf elektronischen Speichermedien abgegolten werden sollen
    foto: standard

    Weiter heftig umstritten: Die Festplattenabgabe, mit der "Privatkopien" auf elektronischen Speichermedien abgegolten werden sollen

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