Finanzielle Lage der Ukraine immer dramatischer

24. Februar 2014, 18:09
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Interimsführung ruft nach Auslandshilfen von 25 Milliarden Euro - Rating weiter gesenkt

Kiew/Wien - Hilfsappelle aus Kiew machen klar, wie dramatisch die finanzielle Lage der Ukraine ist. Die neue, interimistische Führung in Kiew ruft nach ausländischen Finanzhilfen von 35 Milliarden US-Dollar (rund 25,5 Mrd. Euro). Als Geber kämen der Internationale Währungsfonds (IWF), die EU und auch Russland infrage.

Bereits Ende 2013 wurde die Lage so bedrohlich, dass die Regierung praktisch handlungsunfähig war. Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit stiegen auf rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - auch wegen der Weltfinanzkrise, die die Ukraine besonders hart traf.

Die Gesamtverschuldung kletterte Ende 2013 laut Schätzungen auf 41 Prozent des BIP. 2007 hatte der Wert noch bei 12,3 Prozent gelegen. Nur mit Finanzhilfen aus dem Ausland konnte die Regierung den Staatsbankrott verhindern. Das berichtet die Deutsche Beratergruppe Ukraine, die das Land im Auftrag des deutschen Wirtschaftsministeriums unterstützen soll.

Russland sagte im Dezember 2013 Hilfen im Wert von 18 Milliarden US-Dollar (13,13 Mrd. Euro) zu, das entspricht rund zehn Prozent des BIP: 15 Milliarden US-Dollar (rund 11 Mrd. Euro) gab Moskau in Form kurzfristiger Kredite, drei Milliarden US-Dollar als Rabatt auf den Preis für russisches Gas. Kritiker bemängelten, dass diese kurzfristigen Hilfen langfristig die Probleme eher verschärften. Zudem begebe sich das Land in noch größere Abhängigkeit von Moskau. (Siehe auch Seite 3.)

Als die Regierung in Kiew auf Druck der Opposition zurücktrat, stoppte Russland Ende Jänner seine Hilfen. Die US-Ratingagentur Standard & Poor' s senkte danach die Kreditwürdigkeit der Ukraine auf "CCC+" und am 20. Februar weiter auf "CCC". Die jetzige Bewertung ist nur wenige Schritte von der Note "D" entfernt. Sie wird vergeben, falls Länder ihren aus der Kreditaufnahme resultierenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

Die österreichischen Banken sitzen in der Ukraine auf Kreditforderungen in Milliardenhöhe. Die Ukraine-Tochter der Raiffeisen Bank International (RBI) hat laut RBI-Zwischenbericht für die ersten neun Monate 2013 rund 3,6 Mrd. Euro an Krediten vergeben. Die ukrainische Bank Austria-Tochterbank hat 2,7 Mrd. Euro an Kundenforderungen offen. Beide Banken wollten am Montag keine Angaben zu möglichen höheren Kreditabschreibungen machen. "Wir wollen uns nicht an der spekulativen Diskussion beteiligen", so Bank-Austria-Sprecher Tiemon Kiesenhofer. Nähere Informationen zur Ukraine werde es bei der Präsentation der Jahresbilanz 2013 am 11. März geben.

Bankfilialen wieder geöffnet

Die ukrainische Bank-Austria-Tochter hat alle nach dem politischen Umsturz geschlossenen Kiewer Filialen am Montag wieder geöffnet. Bei der Raiffeisen-Tochter Aval wurde eine Filiale in Kiew während der Proteste durch ein Feuer zerstört, zwei geschlossene Filialen in Kiew sollen am heutigen Dienstag wieder geöffnet werden. (dpa, APA, red/DER STANDARD, 25.2.2014)

  • Auch der industrialisierte Osten leidet unter veralteten Strukturen - hier Fabriken und Siedlungen in Saporischschja
    foto: reuters/mdzinarischwili

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  • Demonstration vor dem Ukrainischen Konsulat in Manhattan, New York.
    foto: reuters/carlo allegri

    Demonstration vor dem Ukrainischen Konsulat in Manhattan, New York.

  • Nelken zum Gedenken an die in den vergangenen Tagen in Kiew ums Leben gekommenen.
    foto: ap photo/efrem lukatsky

    Nelken zum Gedenken an die in den vergangenen Tagen in Kiew ums Leben gekommenen.

  • Der Unabhängigkeitsplatz in Kiew am Montag.
    foto: reuters/david mdzinarishvili

    Der Unabhängigkeitsplatz in Kiew am Montag.

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