Deutscher Fernsehpreis am Ende

23. Februar 2014, 18:19
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Zuschauer wie Preisträger kritisierten das Format heftig - Nach einer neuen Form wird gesucht

Hamburg - Die vier Ausrichter ARD, ZDF, RTL und Sat.1 haben das Ende des Deutschen Fernsehpreises beschlossen. Wie "Der Spiegel" berichtet, wird die 16. Verleihung am 3. Oktober auch die letzte sein. RTL und Sat.1 haben den Gesellschaftsvertrag bereits im letzten Jahr gekündigt, das ZDF schloss sich Anfang Februar an. Mitte Februar folgte der WDR, der in der Runde für die ARD spricht.

"Ich nehme diesen Preis nicht an"

In den vergangenen Jahren hatte die Verleihung in der Fernsehbranche und bei den Zuschauern zunehmend an Akzeptanz verloren. Und sogar die Preisträger hatten die Veranstaltung in der Vergangenheit kritisiert: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki etwa, der 2008 für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, lieferte einen legendären Auftritt ab: "Bei dem vielen Blödsinn, den ich heute Abend gesehen habe, glaube ich nicht, dass ich dazugehöre", vermeldete er live auf der Bühne, und schloss: "Ich nehme diesen Preis nicht an."  

"Hirnlose Scheiße"

Kollegin Elke Heidenreich sah die Sache ähnlich: Die Preisverleihung 2008 sei eine "armselige, grottendumme Veranstaltung" gewesen. Es habe sich um "stundenlangen Schwachsinn in hässlicher Kulisse" gehandelt und überhaupt um "hirnlose Scheiße".

Bis zur Preisverleihung im Oktober wollen die Sender nun darüber nachdenken, wie es weitergehen soll. Man sei sich einig, "dass es weiterhin eine Form geben muss, in der die hervorragenden Leistungen für das Fernsehen gewürdigt werden" können.

"Es macht keinen Sinn, dass jetzt etwa die öffentlich-rechtlichen Sender allein einen eigenen Preis ausrichten", sagt ZDF-Intendant Thomas Bellut, "es muss eine Veranstaltung der gesamten Branche sein." (red, derStandard.at, 23.2.2014)

  • Thomas Gottschalk ist nicht begeistert: Marcel Reich-Ranicki hält den Deutschen Fernsehpreis für "Blödsinn".
    foto: ap/roberto pfeil

    Thomas Gottschalk ist nicht begeistert: Marcel Reich-Ranicki hält den Deutschen Fernsehpreis für "Blödsinn".

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