Pro Matura abschaffen: Gewinn für alle Beteiligten

Kommentar23. Februar 2014, 17:53
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Schüler ersparen sich ein Megastresserlebnis, der Staat die Maturazulagen

Lehrergewerkschafter Eckehard Quin agiert natürlich pharisäerhaft, wenn er sich für die Abschaffung der Matura ausspricht. Die Lehrer wollen in erster Linie die neue Zentralmatura verhindern, die zwar eigentlich für eine bessere Vergleichbarkeit der Schüler sorgen soll, de facto aber natürlich auch große Rückschlüsse auf die Lehrfähigkeiten der Pädagogen zulässt.

Trotz der unlauteren Motive hat Quin aber in der Sache recht. Wer die Oberstufe einer AHS oder eine berufsbildende höhere Schule positiv abschließt, hat bereits über Jahre unter Beweis gestellt, dass er die Anforderungen unseres Schulsystems erfüllt. Außerdem ist ein Jahreszeugnis viel repräsentativer für die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Schülern als eine punktuelle Prüfung. Oder anders gesagt: Einen schlechten Tag hat jeder hin und wieder, ein schlechtes Jahr wesentlich seltener.

Das Abschaffen der Matura könnte für alle Beteiligten ein Gewinn sein. Für die Jugendlichen entfiele ein Megastresserlebnis, das viele schwer belastet. Die Schulen ­hätten de facto ein Semester länger Zeit, um tatsächlich Wissen zu vermitteln. Denn beim jetzigen System gehen die letzten Monate der Schulzeit fast ausschließlich für die Vorbereitung der Abschlussprüfung drauf.

Und schließlich könnte sich auch der Staat etwas ersparen: Gibt es keine Matura mehr, müsste man den Lehrern auch keine Maturazulagen bezahlen. (Günther Oswald, DER STANDARD, 24.2.2014)

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