Die Sehnsucht nach größeren Toren

23. Februar 2014, 17:28
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Die Wiener waren beim 0:0 gegen Grödig inhaltlich gar nicht so übel. Die Unfähigkeit, ein Tor zu erzielen, war aber auffallend

Wien - Rapids Trainer Zoran Barisic steckte den Kopf nicht in den rein theoretischen Sand. Er merkte nach dem 0:0 am Samstagabend gegen Grödig an, dass die Tore für seinen Verein offensichtlich zu klein geraten seien. Den spontanen Witz, dass er bei der Fifa oder Uefa einen Antrag auf Vergrößerung der beiden Kästen zumindest im Hanappi-Stadion stellen werde, fand er selbst nur halblustig.

"Wir hatten Chancen für drei Spiele. Es fehlen die Coolness und die Lockerheit, vielleicht sind wir im Abschluss zu verbissen. Aber mit dem Inhalt bin ich zufrieden."

Es gab in der Tat wahnwitzige Situationen. Marcel Sabitzer schoss aus eineinhalb Meter Entfernung gefühlte 123 Meter drüber, die Physik sollte umgeschrieben werden. Guido Burgstaller und Terrence Boyd prüften in der 88. Minute zweimal die Stange, jeder einmal. Und so wurde Historisches, nämlich der erste Sieg gegen Grödig, verpasst und verschoben. Rapid hat ein aber schon inhaltliches Problem. Aus den drei Frühjahrspartien wurden nur vier Zähler geholt, das 3:1 zum Auftakt im Derby hat keine Knoten gelöst. Barisic sagte fast trotzig: "Die Leistungen haben gepasst, der Teamgeist ist großartig."

Verblüffung

Der Rückstand auf die zweitplatzierten Grödiger beträgt vier Punkte. Nach der 25. Runde könnten es sieben sein, da nicht davon auszugehen ist, dass Rapid bei Red Bull Salzburg hoch gewinnt. Ein knapper Erfolg der Grödiger daheim gegen Wiener Neustadt ist wahrscheinlicher. Barisic: "Es gibt im österreichischen Fußball Salzburg und dann lange nix."

Grödig verblüfft trotzdem. Für Trainer Adi Hütter war es zwar "ein sehr glücklicher Punkt", anderseits wollte er den Auftritt seiner Elf nicht entschuldigen. "Denn für Rapids Unvermögen kann ich nichts." Der Dorfklub bleibt unerschütterlich. Wettskandal weggesteckt, es ist ja keine Normalität, dass ein Spieler (Taboga) verhaftet und ein anderer (Zündel) gekündigt und auch sehr verdächtigt wird. Im Winter wurden zwei Stützen verkauft (Zulechner, Salamon), die Zuschauer meiden die Untersbergarena. Trotzdem hat eine provisorische Tribüne gewackelt, sie musste gesperrt werden, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Hütter hat angekündigt, seinen Vertrag nicht zu verlängern, er wird übrigens als neuer Trainer der Austria gehandelt. "Gerüchte kommentiere ich nicht. Es geht jetzt um Grödig. Wir arbeiten hart. Und auch wir haben gute Spieler." Verteidiger Max Karner über die Gründe des Erfolgs: "Es ist egal, was um uns passiert, wir blenden das aus. Wir werden auf jeden Gegner hervorragend eingestellt, finden die richtigen Mittel. Red Bull Salzburg ausgenommen. Jeder von uns ist gerne hier, aber jeder von uns will sich auch für andere Aufgaben aufdrängen. Das kann man nur mit Leistungen." Karner macht kein Hehl daraus, "dass wir mit der Teilnahme am Europacup mehr als nur spekulieren. Wir müssten halt in ein anderes Stadion ausweichen."

Rapid schreibt den Europacup natürlich auch nicht ab. Zumal der Inhalt laut Trainer stimmt und hinter Red Bull Salzburg Ebbe herrscht. Verteidiger Mario Sonnleitner hat die ultimative Lösung parat. "Ins Tor treffen." (Christian Hackl, DER STANDARD, 24.2.2014)

  • Rapids Terrence Boyd (r.) war weder mit Fuß, Kopf noch mit der Hand erfolgreich.
    foto: apa/oczeret

    Rapids Terrence Boyd (r.) war weder mit Fuß, Kopf noch mit der Hand erfolgreich.

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