Alles Sochi in Sotschi

23. Februar 2014, 16:16
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Letzte Worte

Zum Abschluss hat sich noch ein Besuch des Marktes in Adler aufgedrängt, man will ja nicht mit leeren Händen nach Hause kommen. Der Markt ist großteils überdacht und gut sortiert, es duftet nach Gewürzen. Vom Gummistiefel bis zur Ikone, von der kaukasischen Wurst bis zum Granatapfel, vom geflochtenen Korb bis zum Eierspeisreindl, vom Federvieh bis zum Borstenvieh, vom Gaskocher bis zum kunstvoll gefertigten Dreimaster, von der Mimose bis zur Rose, von der Zitrone bis zur Bohne, vom Besen bis zur Schaufel ist alles zu haben.

Naturgemäß spielt Olympia, dessen Eispaläste ein paar Kilometer weit ihrer Zukunft harren, in den Markt hinein. An unzähligen Ständen hängen und stapeln sich Kapperln und Leiberln und Hauben, auf denen Sochi steht, so heißt Sotschi auf Englisch. Die meisten Leiberln sind keine offiziellen Merchandising-Produkte, deshalb sieht man die fünf Ringe nicht, aber dafür drei Babuschkas, oder kann lesen, dass Sotschi die Sporthauptstadt Russlands ist. Leiberln können die Daheimgebliebenen immer brauchen, also begibt man sich auf die Suche und glaubt an ein leichtes Spiel. Es soll, darauf wird größter Wert legt, nicht Sotschi auf Englisch draufstehen, sondern auf Russisch mit kyrillischen Buchstaben, was wiederum dieser Tastatur nicht zu entlocken ist.

Keine Chance. 100 befragte Verkäuferinnen bedauern. Alles Sochi in Sotschi, und das eine, welches man dann doch findet, passt nicht. Wenigstens wird eine mit kyrillischen Buchstaben beschriftete Haube angeschafft, ehe man sich auf den Berg begibt, um Mario Matt vor Marcel Hirscher siegen zu sehen. Dort war das Publikum überschaubarer als am Markt. (Benno Zelsacher, DER STANDARD - 22.2. 2014)


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