Papst Franziskus kreierte 19 neue Kardinäle

22. Februar 2014, 12:32
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Auch Benedikt XVI. überraschenderweise bei feierlicher Zeremonie im Petersdom

Vatikanstadt - Papst Franziskus hat am Samstag im Rahmen eines Konsistoriums im Vatikan 19 neue Kardinäle kreiert. Es handelt sich um das erste Konsistorium des argentinischen Papstes, dessen Pontifikat im März 2013 begonnen hatte. An der feierlichen Zeremonie im Petersdom beteiligte sich überraschenderweise auch der emeritierte Papst Benedikt XVI., der von Franziskus vor Beginn der Zelebration umarmt wurde.

Seit seinem Amtsverzicht am 28. Februar 2013 hatte Benedikt nicht an Zeremonien im Petersdom oder anderen öffentlichen Veranstaltungen teilgenommen. Franziskus übergab den neuen Kardinälen im Petersdom das traditionelle rote Birett und ihren Ring. Einer der designierten Purpurträger, der 98-jährige Loris Capovilla, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht zu den Feierlichkeiten nach Rom anreisen. Im Petersdom saßen die Delegationen aus den 15 Herkunftsländern der neuen Kardinäle. Anwesend waren die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr Amtskollege aus Haiti, Staatsoberhaupt Michel Martelly.

Nur ein Kardinal aus Nordamerika

Der Papst rief in seiner Predigt zu Gebeten für verfolgte Christen. Franziskus betonte, dass die Kirche "den Mut" der Kardinäle benötige. Er warnte vor Rivalitäten in der Kirche, wenn nicht die Solidarität und Zusammenhalt überwiegen.

Das Kardinalskollegium wird mit den 19 neuen Kardinälen noch internationaler und wieder etwas lateinamerikanischer. Von Haiti bis Nicaragua, von den Philippinen bis Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) - die neuen Papstwähler kommen mehrheitlich aus Schwellenländern, darunter Brasilien, Burkina Faso und den Philippinen. Fünf der insgesamt 16 neuen Kardinäle, die jünger als 80 Jahre sind und damit zur Papstwahl berechtigt wären, kommen aus dem Heimatkontinent von Franziskus. Aus Afrika, Asien und Europa sind es jeweils zwei, aus Nordamerika nur einer. Nur vier sind Leiter römischer Zentralbehörden. Zu ihnen zählen der neue Staatssekretär Pietro Parolin und die Präfekten der Glaubens- und der Kleruskongregation, Gerhard Ludwig Müller und Beniamino Stella. Auch der neue Generalsekretär der Bischofssynode, Lorenzo Baldisseri, erhält das blutrote Kardinalsbirett.

Einschränkung der römischen Kurie

Die Persönlichkeiten, die ein Papst in sein wichtigstes Beratergremium, das Kardinalskollegium, aufnimmt, geben stets auch Aufschluss über den kirchenpolitischen Kurs des Pontifikats. Einige der neuen Purpurträger stammen aus besonders schwierigen Gebieten, wie Philippe Nakellentuba, Erzbischof von Ouagadougou in Burkina Faso, und Chibly Langlois, Bischof von Les Cayes auf Haiti, einem der ärmsten Gebiete des gesamten lateinamerikanischen Kontinents. Die USA gehen trotz einiger Erwartungen leer aus.

Mit der Ernennung der neuen Kardinäle macht Franziskus auch klar, dass er die Bedeutung der römischen Kurie einschränken will. Lediglich fünf neue Kardinäle aus Italien wurden diesmal ernannt, eine durchaus niedrige Zahl im Vergleich zur Vergangenheit. Erstmals im Konklave besteht ein ausgewogenes Verhältnis in der Zahl der Kardinäle aus Europa und aus dem Rest der Welt.

Insgesamt überschreitet das Kardinalskollegium mit 122 wahlberechtigten von insgesamt 218 Mitgliedern wieder leicht die vorgeschriebene Obergrenze von 120. Zuletzt hatte Benedikt XVI. im November 2012 sechs Kirchenmänner zu Kardinälen ernannt. Das größte Konsistorium der Kirchengeschichte hatte 2001 Johannes Paul II. veranstaltet, als er gleichzeitig über 40 neue Kardinäle ernannte. Dabei überschritt er die von Paul VI. im Jahr 1968 erlassene Höchstzahl von 120 Wahlberechtigten - zeitweise gab es unter Johannes Paul 135 Purpurträger unter 80 Jahren. Den Kardinälen kommt bei der Führung der katholischen Kirche eine besondere Rolle zu. (APA, 22.2.2014)

  • Papst Franziskus begrüßte seinen Vorgänger zum Konsistorium.
    foto: reuters/rossi

    Papst Franziskus begrüßte seinen Vorgänger zum Konsistorium.

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