G-20-Industrie- und Schwellenländer streiten über Geldpolitik

22. Februar 2014, 10:56
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Kreise: Deutschland lenkt bei Streit um Wachstumsziel ein

Sydney - Beim Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs in Sydney hat sich zum Auftakt ein Graben zwischen Industrie- und Schwellenländern abgezeichnet. Das Streitthema "Straffung der US-Geldpolitik" stand als erstes auf der Tagesordnung, sagte der australische Finanzminister Joe Hockey am Samstag.

Indiens Zentralbankchef Raghuram Rajan hatte den Industrieländern im Vorfeld eine egoistische Politik vorgeworfen. Die Aussicht auf höhere Zinsen hat Investorengelder aus Schwellenländern abgesogen. Der deutsche Finanzminister Schäuble und andere mahnten die Schwellenländer dagegen, zuerst eigene Strukturprobleme zu lösen, ehe sie Solidarität fordern.

Unterdessen hat Deutschland im Streit innerhalb der G-20 um ein konkretes Wachstumsziel für die Weltwirtschaft offenbar eingelenkt. Am Rande des Treffens in Sydney erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag aus Teilnehmerkreisen, Deutschland sei inzwischen bereit, eine Wachstumszahl zu akzeptieren. Danach wird nun in der Schlusserklärung des Treffens, die am Sonntag veröffentlicht wird, von einem Wachstum der Weltwirtschaft von "mindestens zwei Prozent" oberhalb des aktuellen Pfades - gerechnet über einen mehrjährigen Zeitraum - die Rede sein. Dies sei erreichbar, wenn die Länder der Gruppe ambitionierte Reformen vorantrieben.

Auch der Gastgeber, Australiens Finanzminister Joe Hockey, sprach kurz vor dem offiziellen Beginn des G-20-Treffens davon, dass man sich bei der Festlegung eines globalen Wachstumszielwertes nähergekommen sei. Nationale Vorgaben soll es allerdings nach Angaben aus G-20-Kreisen keine geben. Deutschland stand konkreten Zielen zunächst "äußerst skeptisch", gegenüber. Solche Festlegungen seien überholte Elemente einer planwirtschaftlichen Denkweise, hatte ein Regierungsvertreter argumentiert.

Demzufolge ist die genannte Zahl von einem mindestens zwei Prozent höheren Wachstum in der Welt, nach Ansicht Deutschlands nicht als Planwert zu verstehen. Er ergibt sich vielmehr aus Analysen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über die absehbaren Effekte einer ambitionierten Reformpolitik in den weltwirtschaftlich wichtigen Staaten. Der IWF rechnet in diesem Jahr mit einem Plus der weltweiten Wirtschaftsleistung von 3,7 Prozent. (APA, 22.2.2014)

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    foto: ap/reed
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