Die Erfolgsgeneration streitet wieder

21. Februar 2014, 19:26
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Kammerspiele: Remake von "Kunst" mit den Darstellern der Erstaufführung 1996

Wien - In ihrem Konversationsstück Kunst, vor 20 Jahren uraufgeführt, bediente Yasmina Reza nebenbei Ressentiments gegenüber abstrakter Malerei: Damals meinten Kleingeister gerne, dass weiße Leinwände mit ein paar weißen Streifen keine Kunst seien; auch sie könnten solche Bilder herstellen. Damals konnten also viele zustimmend nicken, wenn Marc, der Ingenieur, das Kunstwerk, das sein Freund Serge kaufte, als "Scheiße" bezeichnet.

Heute hingegen echauffiert sich kaum noch jemand über ein solches Werk. Auch der Preis, den der Dermatologe bezahlt hat, erscheint plausibel, obwohl er im Laufe der zwei Jahrzehnte geradezu explodierte. Denn aus den 200.000 Francs von einst sind, weil Herbert Föttinger in den Kammerspielen als Marc keine Währung nennt, Euro geworden.

Aber es braucht gar kein Kunstwerk, um eine lange Freundschaft in ihren Grundfesten zu erschüttern und den Gott des Gemetzels auf den Plan zu rufen: Es reicht bekanntlich schon (in einer ähnlich gelagerten Komödie) der Vorname Adolf. Daher funktioniert Kunst noch immer. Und daher spielen sich auch die Darsteller der österreichischen Erstaufführung 1996 im Rabenhof beim Remake in der dienenden Inszenierung von Folke Braband. Einst waren sie Yuppies, nun sind sie gesetzter, reifer und kantiger. Föttinger, am wenigsten gealtert, genießt als Vertreter der Erfolgsgeneration guten Wein. Kunst ist für seinen Serge vor allem ein Statussymbol.

Marc fühlt sich und seine Werte durch den Kauf des Bildes (es könnte heute auch ein weißer Cayenne sein) verraten: André Pohl brilliert mit intellektueller Überheblichkeit bei gleichzeitiger Borniertheit. Er lacht nicht, er lächelt nur maliziös. Bei einem solchen Freund wie Pohls verbissenem Marc braucht man keine Feinde mehr. Föttinger aber weiß sich mit zynischen Anspielungen zu helfen, die auch Serge ziemlich unsympathisch erscheinen lassen.

Zwischen den Fronten agiert Yvan, der sympathisch-tollpatschige Loser. Martin Zauner ist wohl schon ein wenig zu alt für den jugendlichen Bräutigam, der mit der Schwiegermutter Zoff hat. Aber wenn sein Yvan die Fassung verliert, dann beben die frisch renovierten Kammerspiele.

Silvia Merlo und Ulf Stengl haben Kunst ziemlich uninspiriert ausgestattet. Aber bei drei derart aufeinander eingespielten Schauspielern ist eine Ablenkung auch nicht vonnöten. Großer Applaus. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 22.2.2014)

  • Aus Yuppies wurden Männer: André Pohl (Marc), Martin Zauner (Yvan) und Herbert Föttinger (Serge) im "Kunst"-Remake.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Aus Yuppies wurden Männer: André Pohl (Marc), Martin Zauner (Yvan) und Herbert Föttinger (Serge) im "Kunst"-Remake.

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