Beziehungsarbeit zwischen Riad und Washington

Analyse21. Februar 2014, 18:59
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Gerüchte um Absetzung von Prinz Bandar als Geheimdienstchef – US-Diplomatie am Golf verstärkt

Von den Iran-Gesprächen in Wien aus begab sich US-Staatssekretärin Wendy Sherman direkt in den Nahen Osten: um den Skeptikern in Israel und auf der arabischen Seite des Persischen Golfs einmal mehr zu versichern, dass man "mit weit offenen Augen" in die Atomverhandlungen mit dem Iran gegangen sei. Diese Formulierung stammt von Staatssekretär William Burns, der vor ein paar Tagen bei einem Vortrag in Washington das US-Verhältnis zum Golf erläuterte.

Mit Hochdruck wird der Besuch von US-Präsident Barack Obama in Saudi-Arabien vorbereitet: Einerseits will man die dicke Luft zwischen den Verbündeten verbessern, andererseits sagen die USA mittlerweile ganz offen, dass der Nahe Osten – und damit die Araber am Golf – an Bedeutung für sie verlieren. Burns etwa erinnerte daran, dass die USA im Begriff seien, Saudi-Arabien als größten Ölproduzenten abzulösen.

Saudi-Arabien befürchtet vor allem, als US-Partner nicht mehr die erste Geige zu spielen, wenn die Rehabilitierung des Iran tatsächlich vorangeht. Noch vor der Aufwärmung mit Teheran war man aber in Riad entsetzt, als Obama im Sommer 2013 den Militärschlag gegen das Regime in Syrien absagte und Bashar al-Assad seinen Chemiewaffendeal erlaubte. Saudi-Arabien setzte seit Ausbruch des Konflikts in Syrien auf einen Abgang Assads. Die Politik hat auch einen Namen: Prinz Bandar bin Sultan, der immer für die Bewaffnung der Rebellen war, offiziell noch immer Geheimdienstchef, inoffiziell – will man der ­israelischen Agentur Debkafile glauben – "verschwunden".

Ausgerechnet der legendäre saudische Langzeitbotschafter in den USA und Freund der Bush-Familie, mächtig, aber wegen seiner nicht standesgemäßen Mutter ohne Option, König zu werden, wird von Teilen des saudischen Establishments beschuldigt, durch seine Syrien-Politik zur Belastung für die Beziehungen zu den USA geworden zu sein. Assad ist noch immer da, und Syrien ist voll von Jihadisten – die den Westen verschrecken und als Rückkehrer gefährlich auch für das saudische Königshaus werden können, wie nach 1989, dem Ende des Kriegs gegen die Sowjets in Afghanistan. Vor kurzem stellte Riad per Dekret den Jihadismus für Bürger des Königreichs unter Strafe.

Debkafile schreibt, dass sich westliche Geheimdienstler zu Monatsbeginn bei einem Gespräch in Washington überraschend Prinz Mohammed bin Nayef, dem Sohn des verstorbenen Kronprinzen und mächtigen Innenministers, gegenüberfanden. Die Überraschung ist jedoch relativ – der Prinz, mittlerweile ebenfalls Innenminister, gehört zu den wichtigsten der nächsten Generation. In Washington wird er so hofiert, dass dies sogar Irritation in Riad hervorrief: Es wurde als Signal verstanden, wen sich Washington als Kronprinzen wünscht – der derzeitige, Salman, wird wegen seines Gesundheitszustands ja höchstens ein Übergangskönig mit beschränktem Aktivitätsradius sein. Jedenfalls zeigt die Entsendung Muhammads, dass Riad mit den USA ein konstruktives Gespräch sucht. 

Aber auch die USA kommen Saudi-Arabien personell entgegen. Zu einem Golf-Sonderbeauftragten wurde soeben Robert Malley ernannt. Ein interessanter Name: Bei den israelisch-palästinensischen Gesprächen in Camp David 2000 auf US-Seite selbst dabei, hat er später auch öffentlich vehement das israelische Narrativ angefochten, dass Premier Ehud Barak den Palästinensern ein großzügiges Angebot für einen Staat gemacht habe, das der verbohrte Yassir Arafat nicht annahm. Washington will Riad signalisieren, dass es seine Position ernst nimmt. Auch Burns sprach in seiner Rede die Friedensinitiative des damaligen Kronprinzen und jetzigen Königs Abdullah an, die 2002 von der Arabischen Liga übernommen, aber von Israel immer links liegengelassen wurde. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, 22.2.2014)

  • Prinz Bandar bin Sultan: die saudische Syrien-Politik an die Wand gefahren und "verschwunden"?
    foto: ap/ammar

    Prinz Bandar bin Sultan: die saudische Syrien-Politik an die Wand gefahren und "verschwunden"?

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