"Das ist wirklich gut angelegtes Geld"

Interview22. Februar 2014, 15:59
6 Postings

Schladmings Bürgermeister Jürgen Winter bilanziert ein Jahr nach der Ski-WM positiv. Sofern das Land ein Darlehen schupft, bleibt der Verschuldungsgrad niedrig. Die Bettenauslastung könnte trotz Rekordnächtigungen aber gesteigert werden

Standard: Was ist ein Jahr danach von der Ski-WM geblieben?

Winter: Es ist uns gelungen, das Zeitfenster der Ski-WM als gute Marketingmöglichkeit zu nutzen. Wir sind einem breiteren internationalen Publikum bekannt geworden.

Standard: Das Zeitfenster wurde auch gut dazu genutzt, in Fördertöpfe hineinzugreifen: Der Bahnhof wurde umgebaut, das Kongresszentrum errichtet, Straßen und Stadteinfahrten wurden erneuert.

Winter: Die WM war auch dazu da, das Land ins Rampenlicht zu stellen. Das war in Schladming möglich. Veranstaltet hat der Skiverband. Wir waren aber sicher nicht die, die gesagt haben, wir wollen weniger Infrastruktur.

Standard: Bund und Land ließen sich die WM 190 Millionen Euro kosten.

Winter: Genau passend, das ist wirklich gut angelegtes Geld.

Standard: Wie würden Sie die nicht immer friktionsfreie Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Skiverband beschreiben? So wurde der neu gebaute "Loop" abgerissen, um mehr Platz für Zuschauer zu schaffen.

Winter: Der ÖSV als Veranstalter und wir als Veranstaltungsort hatten als Ziel, eine erfolgreiche WM zu veranstalten. Das ist uns gelungen. Dass die Wege zum Ziel nicht immer deckungsgleich waren, hat man eh mitgekriegt. Es gab keine Auseinandersetzungen, jeder hat aber seine Standpunkte dargelegt.

Standard: Sie schreiben in der Gemeindezeitung: "In budgetärer Hinsicht ist die Vorschau auf 2014 nicht sehr erfreulich." Müssen sich die Schladminger auf magere Zeiten einstellen?

Winter: Es schlagen Notwendigkeiten durch, die nichts mit dem Sport zu tun haben, etwa im Sozialbereich. Mindereinnahmen bei Bundesertragsanteilen treffen alle Gemeinden in unserer Größenordnung ähnlich. Wir haben es geschafft, in den letzten Jahren gut zu investieren. Wir müssen 2014 gut rüberbringen. Fakt ist, 2013 haben wir besser abgeschlossen als geplant.

Standard: Der Darlehensstand der Gemeinde beträgt 14,3 Millionen Euro. Wie schätzen Sie die finanzielle Lage ein?

Winter: Den Darlehensstand senken wir heuer mindestens um eine Million. Unser Verschuldungsgrad betrug 2005 rund zehn Prozent. Den haben wir halbiert, auf nicht einmal fünf Prozent. Ich sehe das sehr entspannt.

Standard: Das Land Steiermark zahlt ein sogenanntes "WM-Darlehen" in Höhe von sechs Millionen Euro zurück. Haben Sie die fixe Zusage, dass das Darlehen zur Gänze vom Land getilgt wird?

Winter: Wir könnten das auch aus eigener Kraft schultern. Aber dann müssten wir in anderen Bereichen sparen. Das Darlehen des Landes war Voraussetzung, dass wir geplante Investitionen wegen der WM vorgezogen haben. Die wären in den nächsten Jahren sowieso gekommen.

Standard: Wie fix bleibt die Zusage des Landes? Es werden vonseiten der Politik ja Einsparpotenziale in allen Bereichen gesucht.

Winter: Es gibt eine schriftliche Zusage. Tatsache ist, wir haben hervorragend geplant. Ich wäre angefressen, wenn es anders wäre. Ich will in meiner Gemeinde keine Schieflage produzieren.

Standard: Kritiker sagen, die Rücklagen der Gemeinde sind fast zur Gänze aufgebraucht. Stimmt das?

Winter: Stimmt nicht. Es ist uns gelungen, Rücklagen zu schaffen in Form von Grundstücken, wo wir gutes Baurechtgeld bekommen. Über die Kritik lache ich, das sage ich offen. Unsere Vermögenswerte sind wesentlich gestiegen.

Standard: Schladming jubelt bereits im ersten Jahr nach der WM über Rekordnächtigungen. Ist das nach dem Ausbau der Bettenkapazität um rund 1200 nicht klar?

Winter: Dass ich mit neuen Betten mehr Nächtigungen produziere, liegt auf der Hand. Aber mir war wichtig, dass auch die bestehenden Häuser keine Nächtigungen verlieren. Das ist gelungen.

Standard: Die durchschnittliche Bettenauslastung in Schladming ist geringfügig auf 31,2 Prozent gesunken. Österreichweit gab's aber ein geringfügiges Plus.

Winter: In der WM-Zeit waren Unterkünfte als Einzelzimmer belegt. Wir haben nicht die Auslastung erreicht, die man sich wünscht. Die bisherigen Zahlen in diesem Winter waren aber verheißungsvoll. Es ist eine Herausforderung, dass die Tourismuswirtschaft höhere Wertschöpfung erzielt. Der Gesamttrend ist, dass Kurzurlaube im Kommen sind. Es gibt Orte mit besseren Auslastungszahlen, da haben Sie recht. Aber es kommt auch auf die Wertschöpfung an. Wenn ich Schleuderpreise mache, habe ich zwar eine bessere Auslastung, aber am Ende des Tages kein Geld im Geldtascherl.

Standard: Das um 16 Millionen Euro errichtete Kongresszentrum bezeichneten Sie als große Herausforderung.

Winter: Wir haben 2012 und 2013 mit einem guten Ergebnis und positivem Cashflow abgeschlossen. Das ist auch für 2014 und 2015 zu erwarten. Dadurch, dass wir eine Räumlichkeit im Ort aufgegeben haben, die uns jährlich 50.000 Euro gekostet hat, können wir Vereine im Ort fördern, die Veranstaltungen im Congress durchführen wollen.

Standard: Die Nachbarorte wehren sich vehement gegen eine vom Land verordnete Fusion. Warum?

Winter: Die nicht sehr glückliche Vorbereitung der Strukturreform kann ich nicht ungeschehen machen. Dass die Leute angefressen sind, darf einen nicht wundern. Fakt ist, 2015 wird gemeinsam ein Bürgermeister gewählt. Ob ich antrete, weiß ich noch nicht. (David Krutzler - 22.2. 2014)

Zur Person: JÜRGEN WINTER (48), Schladminger, ist seit 2005 Bürgermeister. Der gelernte Elektroinstallateur schaffte bei den Gemeinderatswahlen 2010 mit der ÖVP 61 Prozent.

  • Jürgen Winter ist seit 2005 der Bürgermeister von Schladming.
    foto: gemeinde schladming

    Jürgen Winter ist seit 2005 der Bürgermeister von Schladming.

Share if you care.