Neuer Hypo-Berater mit Bayern-Vergangenheit

21. Februar 2014, 17:47
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Der von Finanzminister Spindelegger engagierte Topberater Dirk Notheis kennt die Causa Hypo bestens. Er war bereits bei der Notverstaatlichung 2009 involviert

Wien – "Für dich mach ich doch alles."  Dirk Notheis ist ein freundlicher Mensch, den Wünschen der Kundschaft kommt er gerne nach. Und wenn der Kunde Stefan Mappus heißt, erst recht. Den früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg hat Notheis in seiner damaligen Funktion als Chef der Investmentbank Morgan Stanley Deutschland beim Rückkauf des Versorgers EnBW beraten. Mappus hatte Notheis gebeten, die Rechnung über 17 Mio. Euro erst nach den Wahlen zu legen.

Der hohe Preis der Transaktion und dann genüsslich in den Medien und später in einem Untersuchungsausschuss des Landes ausgebreitete E-Mail-Konversationen haben 2012 zum Rücktritt von Notheis geführt. Davor hatte schon Mappus sein Amt zurückgelegt. Der Rechnungshof des Bundeslandes kam zum Schluss, dass die 4,7 Mrd. Euro schwere Nacht-und-Nebel-Aktion für Baden-Württemberg nachteilig war. Die Beauftragung von Morgan Stanley wurde am Landtag vorbei gespielt – Notheis ist ein enger Vertrauter von Mappus.

Ganz von der Bildfläche ist der Banker und frühere CDU-Vorstand von Baden-Württemberg nach seinem Ausscheiden bei Morgan Stanley nicht verschwunden, auch wenn die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue in der EnBW-Causa ermittelt. 2012 gründete Notheis die Investmentfirma Rantum Capital, die in kleine und mittlere Unternehmen investiert und an der deutsche Granden wie der frühere Industrie-Präsident Michael Rogowski oder Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold beteiligt sind. Viel Zeit wird der 45-Jährige in den kommenden Monaten allerdings in ein anderes Projekt investieren: in die Kärntner Hypo. Finanzminister Michael Spindelegger hat Notheis als Berater angeheuert.

Was dabei zusätzlich bemerkenswert ist: Notheis kennt auch die Bayern gut – die Investmentbanker von Morgan Stanley Deutschland haben die BayernLB Ende 2009 unter der Führung von Notheis bei der Verstaatlichung beraten. Geführt wurde das Morgan-Stanley-Team damals ebenfalls von einem Bekannten, nämlich von Johannes Proksch, seit April 2010 Hypo-Finanzchef.

Proksch war auch in jener Nacht in Wien, als die Bayern ihre Österreich-Tochter um einen Euro abgegeben haben. Die Doppelrolle – einst Berater der Bayern, heute Prüfer der Frage, wie und ob man selbige bei der Hypo-Rettung zur Kasse bitten kann – stört den Finanzminister nicht. Er kenne den Investmentbanker als jenen "Berater, der seinerzeit dazu beigetragen hat, dass der Bawag-Verkauf geklappt hat" . Und: Notheis werde "in seiner Funktion als Regierungsberater zu hundert Prozent die Interessen der Republik und der Steuerzahler vertreten" .

Tatsächlich war Notheis ständiger Gast in Wien, nachdem ihn der ÖGB mit der 2006 erfolgten Veräußerung der früheren Gewerkschaftsbank beauftragt hatte. Noth­eis ermittelte den Fonds Cerberus als Bestbieter, der auch den Zuschlag bekam. Seither ist der Banker "Ehrenmitglied"  im ÖGB, die Entscheidung dazu erfolgte im Vorstand der Arbeitnehmervertretung, ist zu hören. Nachsatz: Noth­eis zahle Mitgliedsbeitrag.

"Frag Mutti"

Schlagzeilen hat der Betriebswirt, Politologe und Philosoph mit seinen E-Mails gemacht, die im ­U-Ausschuss zitiert wurden. Als sich die französische EdF beim Verkauf des EnBW-Anteils als harter Verhandlungspartner entpuppte, riet Notheis seinem Dutzfreund Mappus, direkt mit dem damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy in Kontakt zu treten. Die Rutsche soll Angela Merkel legen. Im O-Ton lautete das: "Frag Mutti, ob sie Dir ein Treffen mit Sarko arrangiert."  Auch andere Dokumente vermittelten den Eindruck, dass der Banker den Ministerpräsidenten wie eine Marionette lenkte. Später entschuldigte sich Notheis dafür, wenn der Eindruck entstanden sei, Politiker würden von Beratern getrieben. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, 22./23..2.2014)

 

  • Dirk Notheis war die zentrale Figur im ­U-Ausschuss zur Affäre rund um den Rückkauf der EnBW. Jetzt spielt er bei der Hypo eine wichtige Rolle.
    foto: apa/epa/franziska kraufmann

    Dirk Notheis war die zentrale Figur im ­U-Ausschuss zur Affäre rund um den Rückkauf der EnBW. Jetzt spielt er bei der Hypo eine wichtige Rolle.

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