Bawag will im März Staatsgeld zurückzahlen

21. Februar 2014, 18:40
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Die Aufsicht muss prüfen, ob die Bank auch ohne Staatsgeld gut aufgestellt wäre. Ohne Staatsgeld ließe sich diese leichter verkaufen

Wien - Die Bawag will nun Ernst machen und sich von der Infusion des Staates abhängen lassen. Soll heißen: Die Bank, die fast zur Gänze den US-Hedgefonds Cerberus und Golden Tree gehört, will das gesamte staatliche Partizipationskapital (PS-Kapital) zurückzahlen - demnächst. Ein entsprechender Antrag wurde bereits bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) eingebracht. Das hat der Standard aus Wiener Bankenkreisen erfahren.

Die konkreten Pläne der Amerikaner: Sie wollen jene 350 Millionen Euro, die sie derzeit noch in den Büchern haben, im März auf einen Schlag zurücküberweisen. Am 12. März findet die Bawag-Hauptversammlung statt, da soll die Sache unter Dach und Fach gebracht werden.

Kurzer Rückblick: Die Bawag bekam Ende 2009 insgesamt 550 Millionen Euro an PS-Kapital vom Staat, die Dividende, die sie dafür zahlen muss, beträgt bisher 9,3 Prozent im Jahr. Im Juni des Vorjahres hat die Bawag 50 Millionen Euro vorzeitig zurückbezahlt; Ende 2013 flossen weitere 150 Millionen zurück.

Schon Ende 2013 hatte der Chef des Instituts, Byron Haynes, angekündigt, die restlichen 350 Millionen "so bald wie möglich" zurückzuführen. Voraussetzung dafür ist aber erstens, dass die Eigenkapitalbasis des Instituts stimmt, und zweitens, dass die FMA ihren Sanktus dazu gibt. Wie Haynes damals sagte, sollte die Kernkapitalquote gemäß Basel III Ende 2013 bei neun Prozent landen. Auch nach der gänzlichen Abhängung vom Tropf glaubt man in der Bank, kapitalmäßig ausreichend gerüstet zu sein.

In der Bawag kommentiert eine Sprecherin den Plan nur so: "Wir haben wiederholt gesagt, das PS-Kapital rasch rückzahlen zu wollen. Das entscheiden natürlich nicht wir allein. Voraussetzung dafür ist die Genehmigung der zuständigen Behörden." Die FMA sagt gar nichts dazu; sie beruft sich auf die Amtsverschwiegenheit. Allerdings: Auch ihr Genehmigungsverfahren dauert, ob sich das bis März ausgeht, ist offen.

Die Rückzahlung des Staatsgeldes ist ein Hinweis mehr darauf, dass sich die Eigentumsverhältnisse der Bawag ändern könnten. Die Hedgefonds wollen ihre Anteile, wie öfter berichtet und wie von ihnen stets dementiert, 2014 verkaufen oder zumindest massiv reduzieren. Und eine Bank ohne teures PS-Kapital (heuer muss die Bawag bereits 9,8 Prozent für das Staatsgeld zahlen, 2015 wären es schon 10,3 Prozent) ist die hübschere Braut. Bliebe also noch das Problem mit dem Gerichtsstreit gegen die Stadt Linz zu lösen. (Renate Graber, DER STANDARD, 22.2.2014)

  • Die US-Hedgefonds wollen das Staatsgeld der Bawag auf einen Schlag zurückzahlen. Das nährt die Vermutung, dass die ehemalige Gewerkschaftsbank verkauft werden könnte.
    foto: apa/federico gambarini

    Die US-Hedgefonds wollen das Staatsgeld der Bawag auf einen Schlag zurückzahlen. Das nährt die Vermutung, dass die ehemalige Gewerkschaftsbank verkauft werden könnte.

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