Nach Missbrauchsfällen: Übernahmepläne für Grazer Jugend-WGs

21. Februar 2014, 18:03
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SOS-Kinderdörfer zu Kooperation mit Graz bereit

Graz - Das SOS-Kinderdorf könnte jene drei Jugend-WGs, aus denen sich die Stadt Graz nach dem Bekanntwerden weiterer Missbrauchsfälle zurückziehen will, übernehmen. In welchem Zeitraum das möglich wäre, ist aber noch mehr als ungewiss.

Wie berichtet, wurde Anfang Februar ein weiterer Fall eines Übergriffs auf eine Bewohnerin einer betreuten Jugendwohngemeinschaft bekannt. Das Opfer war ein elfjähriges Mädchen, dem 14-jährigen mutmaßlichen Täter wird schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Nach dem Bekanntwerden des Falls, der nicht der erste in den vergangenen Jahren war, kündigte die SPÖ-Jugendstadträtin Martina Schröck im Einvernehmen mit ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl an, dass sich die Stadt aus den Jugend-WGs zurückziehen werde.

Die gesetzliche Lage sieht seit Anfang 2014 - seit das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz in Kraft ist - vor, dass zuerst das Land Steiermark den Bedarf erheben und dann für private Trägervereine ausschreiben muss. Nicht nur deswegen könnte die Auflösung der bestehenden Wohngemeinschaften "noch eineinhalb Jahre oder sogar länger dauern", heißt es auf Standard-Nachfrage im Büro Schröck, sondern auch "weil manche Jugendlichen eine starke Beziehung zu ihren jetzigen Betreuern aufgebaut haben".

Verantwortung abzugeben war "eine weise Entscheidung"

Susanne Maurer, Geschäftsführerin der SOS-Kinderdörfer in der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland, betont, dass an ihren Verein noch nichts herangetragen wurde. Doch man arbeite "mit der Stadt zusammen, und wir bringen uns gerne ein - sowohl in Betreuungen als auch ins Krisenmanagement", sagt Maurer.

Dass die Stadt die Verantwortung für die WGs, in der 20 Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 von 26 Pädagogen betreut werden, abgibt, hält Maurer prinzipiell für "eine weise Entscheidung". Sie glaube, dass "ein privater Träger wesentlich flexibler auf Veränderungen, aber auch Krisen reagieren kann als eine Stadt".

Politisch war diese Entscheidung bei ihrer Verkündung vor wenigen Wochen jedoch nicht unumstritten: Grüne und Kommunisten kritisierten den Rückzug der Stadt. Grünen-Stadträtin Lisa Rücker sieht darin "keine Lösung, sondern ein Aufgeben der politischen Verantwortung". (cms, DER STANDARD, 22.2.2014)

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