Sein Leben in Ordnung bringen

Kolumne23. Februar 2014, 17:12
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Über Jahreskarten und Führerscheine und die Frage, wie man eigentlich heißt.

Der milde Winter treibt komische Blüten. Der frühlingshafte Drang, das Leben in Ordnung zu bringen, bricht schon jetzt voll aus. Ins Rollen gebracht hat alles aber noch einer jener finsteren Tage, an denen man unfähig ist, seine Streifenkarte aus den Tiefen seiner Handtasche zu kramen, weil es dafür erstens viel zu kalt ist und man zweitens denkt: eh nur eine Station. Eh nur eine Station später ist der U-Bahn-Ausgang mit einer Armada an Kontrollorganen allerdings so dicht gemacht, dass kein Weg mehr zurückführt und die 103 Euro Strafe weniger schmerzen als die Tatsache, dass die "gnädige Frau" am Weglaufen gehindert wurde.

Fazit der ganzen Geschichte: Eine Jahreskarte, die ich vor kurzem zum ersten Mal herzeigen durfte und ich gestehe: Noch nie habe ich mich in einer U-Bahn euphorischer gefühlt. Juhu, nie wieder schlechtes Gewissen! Weil aber das Wetter viel zu schön ist, um U-Bahn zu fahren, habe ich blöderweise das Auto genommen und bin - richtig! - wieder kontrolliert worden. Gleich vorweg: Es war billiger als in der U-Bahn, weil das Kontrollorgan einfach Mitleid hatte.

Der alte rosa Lappen

Da saß eine offensichtlich vollkommen verwirrte Frau am Steuer, die versucht hat zu erklären, wie sie eigentlich heißt. Denn was da im Führerschein (ja, der alte rosa Lappen!) zu lesen stand, hatte wenig bis gar nichts mit ihrem Namen zu tun: Nein, Herr Inspektor, das ist nicht mein Name, also schon, mein Mädchenname, ich heiße jetzt soundso, eh schon länger, ja verheiratet, nein, habe ich nicht (von wegen nie wieder schlechtes Gewissen!), nein, eben nicht mehr, ja geschieden, ich weiß, hätte ich tun sollen …

Scheckkarten-schickes Dokument

Zum Glück gibt es irgendwo einen zentralen Computer, der alles speichert, ansonsten wäre ich vermutlich niemals mit 20 Euro davongekommen. Zweites Fazit der Geschichte: Knapp zehn Jahre nach meiner Verehelichung und auch schon mehrere nach meiner Scheidung halte ich endlich ein scheckkarten-schickes Dokument in Händen (wieder 50 Euro!). Natürlich heiße ich darauf jetzt so, wie ich eigentlich nicht heiße. Aber das ist eine andere Geschichte. Vor dem Gesetz ist alles in bester Ordnung. Von wegen frühlingshafter Ordnungsdrang, ich sage nur: Alles Alterserscheinungen. (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 23.2.2014)

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