Nach Entlassung auf Chef gefeuert: 3,5 Jahre Haft wegen Körperverletzung

21. Februar 2014, 17:49
91 Postings

Ein 44-Jähriger schoss im Mai nach seiner Entlassung dem Ex-Chef mit einem Gewehr in die Brust. Töten wollte er ihn aber nicht, sagte er nun vor Gericht

Wien – Der Angeklagte Babak S. erklärt sein Motiv ruhig und ernst. "Meine Enttäuschung schlug in Ärger um, irgendwann wurde ich richtig wütend", sagt er dem Geschworenengericht unter Vorsitz von Friedrich Forsthuber, warum er Ende Mai 2013 seinem Ex-Chef in dessen Büro durch die Brust schoss.

Warum er wegen versuchten Mordes angeklagt ist, versteht er allerdings nicht wirklich. Er habe ihm lediglich Schmerzen zufügen wollen. Das Arsenal dafür hatte er. Neben der Tatwaffe, einem Gewehr, hatte er auch einen Taser, ein Messer und Kabelbinder mitgebracht. "Wofür denn?", interessiert Forsthuber. "Ich wollte den Chef foltern und quälen, falls es notwendig gewesen wäre."

Wut wegen Beschimpfung

Die Wut des 44-jährigen Blitzschutzmonteurs hat sich schon länger aufgebaut, glaubt man ihm und Verteidiger Georg Morent. Der Chef habe ihn, einen Flüchtling, rassistisch beschimpft und benachteiligt.

Am Abend des 22. März nahm das Unglück mit Vollgas Anlauf. S. war mit dem Firmenwagen heimgefahren. Da das zweite Betriebsauto defekt war, rief ein Kollege an und bat, dass er es zurückbringe. S. wollte Feierabend machen und weigerte sich.

Auch, als Harald U., sein Arbeitgeber, ihn kontaktierte. Dank GPS wusste der, wo das Fahrzeug stand, fuhr mit einem Mitarbeiter und dem Zweitschlüssel hin. Just in diesem Moment holte S. seine Jacke aus dem Wagen – es kam zum Streit, der Chef sprach die Entlassung aus und fuhr wieder.

Drogen genommen

Die zwölf folgenden Stunden bis zur Tat ließ der Angeklagte nicht ungenutzt. Der psychiatrischen Sachverständigen Sigrun Rosmanith erzählte der Drogenabhängige, dass er in der Wohnung neben seinem Substitutionsmittel auch Alkohol, Kokain und Haschisch konsumierte. Zurechnungsfähig sei er aber gewesen, konstatiert die Expertin.

Der Racheplan reifte, er schnitt eine Gitarre durch, um das Gewehr hineinstecken und in einer Gitarrenhülle getarnt in den Öffis transportieren zu können.

Dann gerät seine Verteidigungsstrategie ein wenig ins Wanken. Er erzählt mehrere Versionen, warum er am nächsten Morgen ins Büro fuhr. Zwischen "Ich wollte nur die Autoschlüssel zurückbringen", "Ich wollte eine einvernehmliche Kündigung erreichen", "Ich wollte ausstehendes Geld" und eben "dem Chef Schmerzen zufügen" können Berufs- und Laienrichter wählen.

News versprach Verteidiger

Ein Ex-Arbeitskollege verteidigt den Angeklagten und berichtet von rechtsextremen, xenophoben, Äußerungen U.s und unsauberen Geschäftspraktiken. Er bietet auch ein interessantes Detail: Das habe er auch News so erzählt, dort sei ihm versprochen worden sei,  einen guten Verteidiger für S. zu bezahlen – was nicht geschah. Opfer U. und ein weiterer Arbeiter widersprechen dem allerdings energisch.

Bei der Wahl der Waffen setzte S. gleich auf die Durchschlagskräftigste. Er schoss mit seinem "Henry Big Boy" auf das hinter dem Schreibtisch sitzende Opfer. "Ich wollte die rechte Bauchseite des Bauchs treffen, da dort keine wichtigen Organe sind, aber ich bin kein Arzt", sagt er Forsthuber.

"Wie ein Kübel Wasser"

Da sich U. weg drehte, ging eine Kugel aber rechts durch den Oberkörper und verursachte kaum Schaden. S. repetierte weiter, ging um den Schreibtisch. "Als ich dann gesehen habe, dass er blutete, war es wie ein Kübel Wasser über den Kopf", erzählte er bei der Tatrekonstruktion. Dass ihn ein anderer Arbeiter stoppte, bestreitet er.

Die Anklage wegen versuchten Mordes wiesen die Geschworenen am Freitagabend mit drei zu fünf Stimmen ab. Die Eventualfrage nach absichtlicher schwerer Körperverletzung bejahten sie einstimmig. Die Strafhöhe beträgt 3,5 Jahre unbedingte Haft, das Urteil ist nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 22./23. 02. 2014)

  • Der Staatsanwalt präsentierte bei dem Prozess die Tatwaffe.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Der Staatsanwalt präsentierte bei dem Prozess die Tatwaffe.

Share if you care.