Turnusarzt ohne Medizinstudium fasste im Burgenland Geldstrafe aus

21. Februar 2014, 14:53
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28-Jähriger muss 1.200 Euro zahlen - Arbeitete acht Tage im Spital - Urteil rechtskräftig - Will jetzt Medizin studieren

Eisenstadt - Acht Tage hat ein 28-Jähriger im vergangenen Sommer in einem burgenländischen Spital als Turnusarzt gearbeitet. Dann flog auf, dass der Mann gar kein Medizinstudium absolviert hatte. Am Freitag wurde der Niederösterreicher in Eisenstadt von einem Schöffensenat wegen versuchten schweren Betrugs zu 1.200 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Angefangen habe alles mit einer "Kleinigkeit", als der Beschuldigte, um in der Familie zu beeindrucken, ein Zeugnis vorgelegt habe, schilderte sein Verteidiger Mirko Matkovits. Später habe er erfahren, dass es einen Ärztemangel gebe: "Da hat er sich gedacht: Na, das probieren wir einmal." Beim Bewerbungsgespräch habe er aber "sozusagen schon die Hose voll gehabt".

"Das Medizinstudium haben Sie nicht abgeschlossen?", fragte Richterin Karin Lückl. "Ich habe das gar nicht absolviert", antwortete der 28-Jährige, der sich schuldig bekannte. Er habe sich seit zehn Jahren mit medizinischer Fachliteratur beschäftigt und sei bei einem Arzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt gewesen.

Sehr ambitioniert und engagiert

Als ihn der Arzt aufgefordert habe, sich einen anderen Job zu suchen und eine Nachbarin ihm riet, sich um eine freie Stelle im Spital zu bewerben, tat der 28-Jährige dies auch. Allerdings sei ihm von Anfang an unwohl dabei gewesen. Er habe gedacht: "Wenn das herauskommt, kann ich mir die Kugel geben."

Der 28-Jährige habe sich zunächst sogar für eine Stelle als Assistenzarzt interessiert, schilderte der mittlerweile pensionierte Ärztliche Leiter des Krankenhauses. Er habe sich mit dem Bewerber eine Dreiviertelstunde unterhalten. "Ich habe gedacht, dass er sehr ambitioniert und engagiert ist", schilderte der Primar seinen damaligen Eindruck. Er habe den 28-Jährigen auch mit medizinischen Fragen konfrontiert, beispielsweise zu einem speziellen EDV-Programm: "Da hat er sehr ausführlich Auskunft gegeben."

Dem Primar und der Personalabteilung legte der Beschuldigte Kopien gefälschter Zeugnisse vor und bekam noch am selben Tag den Job. Weil ihn eine Medizinerin bei der Ärztekammer anzeigte, war er diesen jedoch bald wieder los.

In erster Linie Administration

Im Spital habe er keine Behandlungen durchgeführt, sondern beispielsweise bereits befundete Patienten aufgenommen, Eingaben ins EDV-System gemacht und jene Stellen bei Patienten markiert, wo operiert werden sollte, schilderte der Beschuldigte. "Er hat in erster Linie Administration gemacht", bestätigte auch der Primar. Bei Turnusärzten sei dies üblich: "Das sind Wochen bis Monate, wobei er natürlich ständig unter Aufsicht ist." Was er als Turnusarzt verdient hätte: "Ungefähr 2.000 Euro brutto."

Dass er schon vom ersten Tag an überlegt habe, wie er aus der Sache wieder herauskomme, "das glaube ich ihm nicht", meinte Staatsanwalt Christian Petö: "Offensichtlich hat er auch einen Eindruck hinterlassen. Das ist kein dummer Mensch, der hier sitzt."

"Er hat den Primar, der ja nicht irgendwer ist, nachhaltig beeindruckt", meinte der Verteidiger. Der 28-Jährige sei dabei, seine Studienberechtigungsprüfung zu machen: "Er ist offensichtlich geeignet." Er glaube, dass mit einer Geldstrafe das Auskommen gefunden werden könne, so Matkovits.

Dem schloss sich das Gericht an. Allerdings sei davon auszugehen, dass der 28-Jährige seine Tätigkeit im Spital einige Wochen lang ausüben hätte wollen, weshalb letztlich ein höherer Schaden entstanden wäre als jene 414 Euro und zwölf Cent, die er vom Spital bekommen hatte. Das Geld gab der Niederösterreicher noch im Gerichtssaal dem Primar zurück. "Ich werde das schnurstracks ins Krankenhaus bringen", entgegnete dieser. Auf die Frage der Richterin nach seiner beruflichen Zukunft antwortete der 28-Jährige, er wolle versuchen, ein Studium zu absolvieren. "Was für ein Studium?" "Medizin", lautete die Antwort. (APA, 21.2.2014)

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