Die Wall Street hat einen neuen Favoriten

23. Februar 2014, 10:00
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Greg Fleming wird derzeit für die Top-Jobs an der Wall Street gehandelt. Die Branche grübelt, in welchem Haus sich der Banker in den Chefsessel setzt

Er ist der neue Star in der US-Finanzbranche: Greg Fleming. Kaum ein Banker scheint derzeit so begehrt zu sein wie der Vermögensverwaltungschef von Morgan Stanley. Der 50-Jährige wird nicht nur für den Top-Posten bei seinem Arbeitgeber gehandelt. Er gilt auch als potenzieller Chef von Häusern wie Blackrock, American Express oder Goldman Sachs, mit dessen Chef Lloyd Blankfein er sich gut versteht.

Die Wall Street ist sich einig, dass Fleming nicht nur nach Höherem strebt, sondern dass er es auch schafft, dort anzukommen. Nur zwei Fragen sind dabei noch offen: wann und bei wem?

Bei Morgan Stanley steht Fleming zwar bereits auf der Kandidatenliste für die Leitung der Großbank, wie mit der Situation vertraute Personen sagen. Allerdings geht momentan keiner davon aus, dass Firmenchef James Gorman so schnell Platz macht. Der 55-Jährige leitet das Geldhaus erst seit vier Jahren - und ihm werden gute Noten ausgestellt.

Angesichts der Karriere-Ambitionen von Fleming läuft Morgan Stanley damit Gefahr, ihn zu verlieren, wie in seinem Umfeld gemunkelt wird. Morgan Stanley spielt dies derzeit aber noch herunter. Fleming habe keinerlei Pläne, die Bank zu verlassen, sagt ein Sprecher. Er selbst sei der Ansicht, dass seine Arbeit noch nicht beendet sei. Er habe es auch nicht eilig damit, Firmenchef zu werden. Andere Institutionen, mit denen Fleming in Verbindung gebracht wurde, äußern sich dazu vorerst nicht.

Auf zu neuen Ufern

Auch wenn die Chancen bei Morgan Stanley derzeit nicht die besten sind, gehen Kollegen und Wegbegleiter davon aus, dass sich Fleming bald zu neuen Ufern aufmachen wird. In seinem fünften Jahr bei Morgan Stanley steht er am Scheideweg, sagen Personen, die ihn gut kennen. Er hat die komplizierte Übernahme des Brokerhauses Smith Barney von der Citigroup erfolgreich über die Bühne gebracht und die Gewinnmargen auf das gewünschte Niveau gehievt.

Mittlerweile stammt mehr als die Hälfte der Einnahmen von Morgan Stanley aus der Vermögensverwaltung, die stabiler und weniger riskant ist als das oft kritisierte Investmentbanking. Nicht zuletzt deshalb ist der Wert der Morgan-Stanley-Aktien im vergangenen Jahr um 65 Prozent nach oben geschnellt. Je besser seine Sparte lief, desto mehr strebte Fleming nach Einfluss und brachte sich auch in anderen Geschäftsbereichen ein.

"Saubermann"

An Lob für Fleming mangelt es nicht. "Ich achte seine Führungsqualitäten und seine Errungenschaften sehr", sagt beispielsweise Masaaki Tanaka, einer der beiden Vertreter von Morgan Stanleys größtem Anteilseigner Mitsubishi UFJ Financial im Board der Bank. Kollegen und Freunde beschreiben ihn als zielstrebig, anspruchsvoll und ruhig. Nie verliere der Vater von drei Kindern die Fassung. Häufig fällt bei den Beschreibungen der Begriff "Saubermann". Sein einziges nachweisbares Vergehen scheint ein Strafzettel aus dem Jahr 2009 wegen zu schnellen Fahrens zu sein.

1992 heuerte Fleming bei Merrill Lynch an und bekam bereits 1999 im Alter von 35 Jahren landesweite Verantwortung bei der US-Investmentbank. Er gehörte zu den Besten, wie ihm ein Magazin 2001 beschied. Nach zwei weiteren Beförderungen machte ihn schließlich 2007 der damalige Bankchef Stan O'Neal zu seinem Stellvertreter.

Die Finanzkrise sorgte dann für einen Bruch: Nach dem Weggang von O'Neal durfte Fleming die Geschicke der Bank leiten - aber nur für kurze Zeit. Die Aufseher zogen es vor, jemanden von außen zu holen. Die milliardenschweren Verluste aufgrund fauler Hypotheken-Kredite hafteten auch Fleming an. Er handelte den Verkauf des Instituts an die Bank of America (BoA) noch mit aus, dann verließ er die Wall Street.

Zwischenstation

Er unterrichtete an der juristischen Fakultät der Elite-Universität Yale und referierte unter anderem über das Handelsfiasko des sogenannten "Wal von London". Der Banker von JPMorgan Chase setzte mit riesigen Derivate-Positionen 6,2 Milliarden Dollar (4,5 Mrd. Euro) in den Sand.

Fleming 2010 so kurz nach der Finanzkrise zur Rückkehr an die Wall Street zu bewegen sei nicht einfach gewesen, erzählt ein Insider. Star-Investor oder Banker in der zweiten Reihe reiche ihm nämlich nicht. "Er wollte immer Chef eines großen Konzerns werden", sagte ein Involvierter. (Reuters, GELDSTANDARD)

 

(Lauren Tara LaCapra, DER STANDARD, 21.2.2014)

  • Greg Fleming wird für die Top-Jobs an der Wall-Street gehandelt. Die Frage ist nur, welcher Chef von welchem großen Haus Fleming das Feld überlässt.
    foto: reuters/mcdermid

    Greg Fleming wird für die Top-Jobs an der Wall-Street gehandelt. Die Frage ist nur, welcher Chef von welchem großen Haus Fleming das Feld überlässt.

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