Die drei Frauen von der SPÖ

Blog22. Februar 2014, 08:00
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Die Sehnsucht nach Klartext und die kleine Mär vom Eurofighter-Lobbyisten

Die Community zeigte sich begeistert von Daniela Holzinger, einer Nationalratsabgeordneten aus Oberösterreich, die es nach einer Kampfabstimmung im Bezirk Vöcklabruck auf einen wählbaren SPÖ-Listenplatz in ihrem Wahlkreis - und damit auch ins Parlament geschafft hatte. Holzinger traute sich, gegen den Kurs der SPÖ-ÖVP-Regierung und für die Einrichtung eines Hypo-U-Ausschusses zu stimmen. In einem derStandard.at-Interview forderte sie sogar das Minderheitenrecht für die Einrichtung eines U-Ausschusses. Schwer vorstellbar, dass da kein Raunen im SPÖ-Klub zu vernehmen war, und auch mancher User sah die Karriere von Holzinger schon wieder beendet.


Vielleicht liegt es daran, dass Frau Holzinger noch ein relativ unbeschriebenes Blatt ist. Wer aber einmal lesen möchte, wie es ist, wenn eine Politikerin im Forum abgefeiert wird (selten kommt es vor), dem sei empfohlen, hier vorbeizuschauen.

Ganz anders sieht das bei Laura Rudas aus, die es im Forum nicht leicht hat. Falls es so etwas wie einen Anfangsbonus für Jungpolitikerinnen geben sollte, hat sie ihn schon vor langer Zeit verbraucht. Ihre Wirkung auf das Forum muss als situationselastisch mit Hang zum Erwartungsloch beschrieben werden. Manchmal hat man als Beobachter das Gefühl, als würde Rudas wenige Chancen haben, dass ihre Aussagen getrennt von ihrer Person diskutiert werden. Wenn Laura Rudas etwas sagt, steht das Urteil darüber schon fest.


Rudas, die mit ihren fast 34 Jahren bereits eine Politikveteranin ist und es bis zur SPÖ-Bundesgeschäftsführerin gebracht hat, ist nun auch Bildungssprecherin der SPÖ im Nationalrat. In dieser Funktion will sie sich keine Denkverbote verordnen und stellt die Matura und das Benotungssystem zur Diskussion. "Wenn man sich für die Matura entscheidet, dann muss es nicht die strengste und härteste Prüfung sein. Immerhin hat derjenige ja schon acht Jahre geschafft", meint Rudas, und das Notensystem in österreichischen Schulen mit Noten von 1 bis 5 sei "nicht das Fortschrittlichste". Konkrete Vorschläge hat Rudas keine, aber man könne ja "ganz generell darüber diskutieren".

Die 400 Postings zum Artikel beschäftigen sich nur am Rande mit der Thematik von Matura und Benotungssystem. Polemik und Satire stehen im Vordergrund. Laura Rudas wird es wohl auch in Zukunft schwer haben.

"Hoffentlich weiß die gute Frau, dass eine rote Beurteilung hier nicht gut ist …"

Schließlich kam Finanzstaatssekretärin Sonja Steßl (SPÖ) in den derStandard.at-Chat, und es folgte eine Orgie in Rot: Stand Freitagnachmittag bekamen Steßls Chatbeiträge 2.349 negative Bewertungen (rote Stricherl).

Deutlich zeigte sich die Unzufriedenheit der User auch in den Postings. Unverständnis erntet Steßl für ihre unkonkreten Antworten, die noch schwerer wiegen, weil die Fragen direkt von den Usern kamen.

Sicher, wenn man die Reaktionen der User zu den Aussagen von Holzinger, Rudas und Steßl anschaut, kann der Eindruck entstehen, dass hier sehr oberflächlich Sympathien vergeben werden und sich einmal gefasste Meinungen schnell einzementieren. Doch dahinter steckt viel mehr, nämlich dass es die User satt haben, mit Worthülsen abgespeist zu werden. Die Sehnsucht nach Echtheit und Klartext ist so groß, dass etwa eine Abstimmung gegen den eigenen Klub im Nationalrat zur Heldentat wird und Aussagen in einem Interview, die mehr der Vernunft und weniger der Koalitionsräson unterworfen sind, allseits bejubelt werden. Wir sind alle recht genügsam geworden, und darum klammern wir uns an jeden Strohhalm.



Die kleine Mär vom Eurofighter-Lobbyisten

Zum Abschluss eine Postingcollage, die sich manchmal reimt. In einem Tätigkeitsberichten einer Lobbyingfirma, die im Auftrag von EADS lobbyiert haben soll, tauchen seltsame Namen auf, die wundersam vertraut erscheinen.


Keinesfalls! Ein Stück österreichische Politikgeschichte – in L.

Es war einmal vor langer Zeit, der Lüssel, der Laider und der Lasser.

Oder doch ein ganz ein anderer?


Und war da nicht noch dieser Jäger, der kam doch sicher auch noch dran?


Und seine Frau, ob die nicht auch rumballert?

Es reicht, wir haben schon genug! Dringend braucht es Aufklärung.

Ja, genau, einen Schlichter! Seht, der Lanzler und der Herr Linister nahen schon in ganzer Pracht.

Und eines, das ist jetzt schon fix:
Damit ihr's wisst - die Moral von der Geschicht:

(Florian Stambula, derStandard.at, 21.2.2104)
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