Hochqualifizierte Zu- und Abwanderung

27. Februar 2014, 11:34
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Seit Jahren gehen mehr hochqualifizierte Österreicher ins Ausland als zurückkommen. Und auch zu wenige Studierende aus dem Ausland bleiben nach dem Studium hier. Es herrscht Handlungsbedarf

Für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit ist das Humankapital einer Volkswirtschaft entscheidend. Und die Hochqualifizierten (statistisch meist als Akademiker ausgewiesen) nehmen hier eine wichtige Rolle ein - als besonders mobile und weltweit umworbene Gruppe.

Der Anteil der Akademiker zwischen 25 und 64 Jahren, ist in Österreich (ca. 15 Prozent, 2012) im OECD-Vergleich niedrig; der entsprechende Wert für die Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft liegt seit den 1970er-Jahren immer - und mit zunehmend deutlicherem Abstand - über dem österreichischen Wert mit 20 Prozent (2012), ist aber innerhalb der OECD trotzdem einer der niedrigsten Werte.

Umgekehrt verlassen viele Hochqualifizierte das Land, weil sie woanders bessere Rahmenbedingungen finden, wobei die Kleinheit des heimischen Arbeitsmarktes einen Push-Faktor darstellt. Seit Jahren gehen mehr Österreicher ins Ausland als zurückkehren. Und: Die im Ausland befindlichen Österreicher weisen eine rund doppelt so hohe Akademikerquote auf wie die Österreicher im Ursprungsland. Die Hauptzielländer sind Deutschland, USA, Schweiz, Kanada und Australien. In Down Under ist die Selektivität besonders hoch: Jeder zweite dort lebende Österreicher hat ein Studium absolviert.

Topwissenschafter kommen nicht in hohem Maße

Bei den Wissenschaftern hat Österreich, speziell Wien eine Brückenfunktion zwischen Ost/Südost und West, d. h. "wir" sind besonders attraktiv für Deutsche und Personen aus Mittelost-/Südosteuropa. Aufgrund des im Mittelfeld positionierten Wissenschaftssystems gelingt es bis dato nicht in hohem, aber immerhin steigenden Maße, Topwissenschafter und Hochqualifizierte anzuziehen. Diese gehen zu den Topinstitutionen in den Ländern mit den führenden Unis, z. B. nach Kanada, ins Vereinigte Königreich und allen voran in die USA. Attraktivere Gehälter, gute Arbeitsbedingungen, neue Forschungsfelder und prestigereiche Kollegenschaft sind Pull-Faktoren. Österreich ist in den Wettbewerb um die besten Köpfe erst sehr spät eingestiegen, die seit 1. 7. 2011 implementierte Rot-Weiß-Rot-Karte für qualifizierte Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten ist Beispiel dafür - 4400 Personen haben sie bisher in Anspruch genommen.

Als Studienort genießt Österreich eine nicht unumstrittene Popularität. Mit einem Ausländeranteil von 14,7 Prozent hat es nach dem Vereinigten Königreich und der Schweiz die höchste Quote unter allen europäischen OECD-Ländern, wobei mehr als 39 Prozent aus Deutschland, gefolgt von Italien (elf Prozent) stammen. De facto bleiben aber nur 17 Prozent, der OECD-Durchschnitt liegt bei 25 Prozent. Nach einer Studie von Prognos (2013) würden sich bei einer Verbleibrate von 20 Prozent nach Abschluss des Studiums die Kosten in circa sieben Jahren amortisieren. Wie eine andere OCED-Studie über die fiskalischen Effekte der Zuwanderung zeigt, liegen die Nettoeffekte zwar deutlich unter dem OEDC-Schnitt, allerdings mit überdurchschnittlichem Zuwachs. Allein die bessere Integration hochqualifizierter Migranten pro Jahr würde die Nettoeinnahmen um eine halbe Mrd. Euro steigern. (Andreas Breinbauer, DER STANDARD, 22./23.02.2014)

Andreas Breinbauer ist Leiter des FH-Kollegiums an der FH des bfi Wien und der Studiengänge Logistik und Transportmanagement.

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    Andreas Breinbauer.

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