"New World of Work" - Rechnet sich das?

24. Februar 2014, 14:58
4 Postings

Die "Leinen werden länger", das Arbeitszeitvolumen steigt, und Krankenstände sinken

Eine zunehmende Zahl von Unternehmen setzt auf neue, innovative Arbeitsformen. Dabei ist die Implementierung ebensolcher Arbeitsformen für Firmen oft mühsam. Dies erfordert insbesondere Zeit und erhebliche Investitionen. Warum Unternehmen dennoch auf die neuen Arbeitswelten setzen, liegt daran, dass es sich am Ende rechnet. Das zeigt die langjährige Forschung am "New World of Work"-Forschungszentrum an der IMC FH Krems.

Das Forschungszentrum ist spezialisiert auf sogenannte "New World of Work"-Erfolgsmessungen; hierbei wird über lange Zeiträume gemessen, wie sich die Einführung neuer Arbeitsformen auf Unternehmen in klaren Zahlen, Daten und Fakten auswirkt. Diese Auswirkungen lassen sich bereits nach kurzer Zeit in den Infrastrukturkosten erkennen. Bürokosten können beispielsweise im Bereich von 20 bis 30 Prozent reduziert werden. Dies ergibt sich durch die mögliche Verkleinerung von Büroflächen, wenn mobiles Arbeiten im Unternehmen eingeführt wird. Auch Reisekosten schrumpfen im Bereich von 30 bis 40 Prozent, wenn virtuelle Arbeitsweisen unter Nutzung neuer Kommunikationstechnologien (z. B. Unified Communication, Video-Conferencing) üblich werden. Das ist der unmittelbarste Effekt neuer Arbeitsformen. Noch bedeutsamer ist jedoch der Einfluss neuer Arbeitskonzepte auf die Menschen in Betrieben.

Mitarbeiterzufriedenheit kann steigen

Die Einführung moderner Arbeitskonzepte trägt in den meisten Fällen dazu bei, dass die Mitarbeiterzufriedenheit um zehn bis 20 Prozent steigt; Einsatzbereitschaft und Identifikation mit der Firma nehmen zu. Das erklärt auch, warum sich Arbeitszeiten in "New World of Work" -Unternehmen nicht reduzieren, obwohl die "Leinen länger werden". Stattdessen wächst das Arbeitszeitvolumen tendenziell, um bis zu zehn bis 15 Prozent. Gleichzeitig sinken Krankenstände um 20 bis 30 Prozent. In Summe kann mit einer Produktivitätssteigerung im Bereich von fünf bis 15 Prozent gerechnet werden.

Diese Werte müssen kritisch betrachtet werden, da zum Beispiel die Reduktion von Krankenständen auch mit negativen Verhaltensänderungen zusammenhängen kann. Beispiel "Erkältung": Bei einer bürozentrierten Arbeitsweise führte diese oft zu Krankmeldungen und Nichterscheinen im Büro. In flexibleren Arbeitswelten wird stattdessen oft ohne Krankmeldung einfach von zu Hause aus weitergearbeitet. Vielleicht am ersten Tag etwas weniger. Aber ab Tag zwei versucht man wieder "voll dran zu bleiben", um E-Mail-Stau und Arbeitsrückstand zu vermeiden. Das Beispiel zeigt, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht einfach in die neuen Arbeitswelten hineingeworfen werden dürfen. Es ist wichtig, eine Organisation schrittweise auf neue innovative Arbeitsformen vorzubereiten und notwendige Kompetenzen für den Umgang mit flexibleren und virtuelleren Arbeitswelten bei Mitarbeitern und Führungskräften aufzubauen.

Erhöhte Arbeitgeberattraktivität

Wenn das gelingt, dann wirkt sich die Einführung neuer Arbeitsformen auch positiv auf die Arbeitgeberattraktivität aus - das sogenannte Employer-Branding. Dies zeigt auch die aktuelle Studie "New World of Communication & Collaboration 2014" von HMP Beratungs GmbH, IMC FH Krems und Report (http://www. hmp-consulting.com/aktuelles).

Mehr als 76 Prozent der Studienteilnehmer halten potenzielle Arbeitgeber für unattraktiv, die keine flexiblen Arbeitsweisen anbieten. Für 40,6 Prozent der Befragten ist Home-Office sogar gleich wichtig wie eine Gehaltserhöhung. Umgekehrt bemerken Unternehmen, die auf neue Arbeitsformen setzen, den Effekt deutlich: Bewerberzahlen steigen deutlich, und die Fluktuation im Mitarbeiterstamm reduziert sich auf Quoten zwischen zwei und fünf Prozent. Das ist eine große Verbesserung gegenüber den üblichen acht bis zwölf Prozent in der Mitarbeiterfluktuation. (Michael Bartz, Thomas Schmutzer, DER STANDARD, 22./23.02.2014)

Am 25. Februar erscheint "New World of Work - Warum kein Stein auf dem anderen bleibt" von Michael Bartz und Thomas Schmutzer im Linde- Verlag, Verlag Handelsblatt/ WirtschaftsWoche

Share if you care.