Den Museumseintritt mit Daten bezahlen

21. Februar 2014, 11:08
2 Postings

US-amerikanisches Kunstmuseum bietet kostenlosen Eintritt, solang Kunden sich beim Besuch überwachen lassen

Museumsdirektor Maxwell Anderson hat zwei große Vorbilder: Google und Facebook. Die Internetunternehmen hätten vorgezeigt, so Anderson, dass Daten über das Verhalten von Konsumenten oft wertvoller als Benutzungsgebühren seien. Dieses Modell wollte Anderson auch im von ihm geführten Dallas Museum of Art (DMA) umsetzen: Jeder Besucher, der sich am Eingang mit Namen, Emailadresse und Telefonnummer registriert, kann die Kunstwerke gratis betrachten. Er muss lediglich beim Wechsel zwischen verschiedenen Räumen eine Karte scannen, sodass das Museum die Route des Besuchers überwachen kann.

Noch mehr Daten, noch mehr Vorteile

Zusätzlich können Besucher freiwillig Kunstwerke elektronisch markieren, die ihnen besonders gefallen. Im Gegenzug dafür dürfen sie kostenfrei ihr Auto vor dem Museum parken oder vergünstigt im museumseigenen Shop einkaufen. Bislang ist die Aktion ein voller Erfolg: Laut Bloomberg hält man momentan bei 50.000 Registrierungen. Dem gegenüber stehen 18.000 zahlende Besucher. Durch das Angebot habe man mehr als zwei Millionen Aufzeichnungen generiert, die zur Verbesserung des Angebots genutzt werden können.

Kunstmäzene überzeugen

Robert Stein ist Software-Entwickler und stellvertretender Direktor des DMA. Er sagt: "Früher wussten wir lediglich, dass eine anonyme Anzahl an Personen unser Museum besucht haben.“ Heute würde man hingegen wissen, wie oft Besucher wiederkommen, welche Flügel des Museums ihnen besonders gefielen oder wie lange sie in bestimmten Räumen verweilten. Dadurch können Kunstmäzene und zuständige Behörden von der Sinnhaftigkeit der Finanzierung überzeugt werden.

Eintrittspreise ohnehin unwichtig für Budget

Allerdings ist das Projekt keineswegs so revolutionär, wie es scheint: Tatsächlich würden US-amerikanische Museen laut Bloomberg ohnehin nur 5 Prozent ihres Budgets durch verkaufte Tickets generieren. In Europa sei dies nicht viel anders, nur Top-Touristenattraktionen wären hier ausgenommen. Daher versuche man, durch das Tracking der Besucher vor allem bei Sponsoren und Behörden argumentativ auftrumpen zu können, um deren Teil der Finanzierung zu erhöhen. (fsc, derStandard.at, 21.2.2014)

  • Museumsdirektoren wollen mehr über ihre Besucher wissen und winken mit Gratis-Eintritt
    foto: apa/epa/maja hitij

    Museumsdirektoren wollen mehr über ihre Besucher wissen und winken mit Gratis-Eintritt

Share if you care.