Mit Crowdfunding zum eigenen Blumenversand

23. Februar 2014, 18:34
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Saisonale Schnittblumen im Abonnement - diesen unternehmerischen Traum hatte Franziska Hardenberg. Finanziert hat sie ihn via Crowdfunding, 167 Private haben Risikokapital investiert

Milchstern und Waxflower sind die "Blumen der Woche". Daneben gibt es bei "Bloomy Days" in der Berliner Steinstraße im Herzen des hippen Stadtteils Mitte an diesem Wintertag Rosen, Lilien und ein paar Disteln. Keine geradezu überwältigende Auswahl für einen Blumenladen. Bei näherer Betrachtung gleicht das Geschäft auch mehr einem Büro. Schreibtische und Computer dominieren den hellen, freundlichen Raum. Der Eindruck trügt nicht.

"Die Laufkundschaft ist nur ein Zusatzgeschäft", erklärt Gründerin und Geschäftsführerin Franziska Hardenberg. Die Marketingexpertin war sechs Jahre lang in der Modebranche beschäftigt, bevor sie sich im März 2012 an ein eigenes Unternehmen wagte: Ein Schnittblumen-Abo. Die Kunden erhalten wahlweise einmal wöchentlich, monatlich oder 14-tägig frische, saisonale Blumen, die von Hand geputzt, angeschnitten, verpackt und versendet werden.

"Auswahl und Style"

Was soll daran besonders sein? "Unsere Auswahl, unser besonderer Style" , beschreibt es Hardenberg. "Unsere Blumen sind ungebunden, also keine marktüblichen, gebundenen Sträuße mit mehr Grün als Blumen." Was auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich erscheint, hat immerhin 167 Privatpersonen überzeugt, in die Geschäftsidee zu investieren. "Wir konnten mit Crowdfunding innerhalb von 93 Minuten 100.000 Euro lukrieren", erzählt Hardenberg stolz. Nur zehn Prozent derjenigen, die Risikokapital gaben, kannte Hardenberg persönlich.

"Wir waren unter dem ersten Dutzend Unternehmen, die dies auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch geschafft haben. Damals war das ja noch recht unbekannt", sagt die Unternehmerin. Dafür hat sie den deutschen E-Commerce-Start-up-Award 2013 gewonnen. Die Financiers haben stille Beteiligungen, werden also bei Gewinnausschüttungen oder dem Verkauf des Unternehmens finanziell bedacht, haben aber kein Mitspracherecht. "Wir sind vergangenes Jahr um 1000 Prozent gewachsen, dieses Jahr wird es ähnlich sein", sagt Hardenberg.

Ab Herbst wird auch nach Österreich geliefert

13 in Vollzeit angestellte Mitarbeiterinnen und zwei Teilzeitkräfte hat das Unternehmen derzeit, seit Herbst 2013 wird auch nach Österreich geliefert. Zirka 40 Prozent sind Geschenkabos, 40 Prozent gehen an Privatkunden, 20 Prozent an Geschäftskunden. Auf dieses Segment möchte sich Hardenberg 2014 auch am stärksten konzentrieren: "Wir werden einen zweiten Versandweg aufbauen, damit auch am Montag geliefert werden kann, was für Geschäftskunden wichtig ist." Derzeit wird in Deutschland jeweils am Mittwoch, in Österreich am Donnerstag geliefert. Hier macht der Anteil am Gesamtumsatz zirka fünf Prozent aus, das Abo kostet 24,90 Euro pro Lieferung inklusive Versand.

"Bloomy days" versucht nachhaltig zu agieren, schwingt aber nicht die Ökokeule. "Das ist eine strategische Entscheidung", erklärt die Chefin. "Wir kaufen regional ein, das heißt nur europaweit und ohne Flüge, um den CO2-Ausstoß möglichst gering zu halten. Natürlich kann man sagen, Schnittblumen an sich sind kein nachhaltiges Produkt. Aber wir haben den grünen Punkt und arbeiten nur mit voll recycelbaren Kartonagen."

Ein Abo hat auch Hardenberg. An die Geschäftsadresse. Zur Qualitätssicherung. "Das ist wichtig, damit wir sehen, ob alles klappt." (Tanja Paar aus Berlin, DER STANDARD, 22./23.02.2014)

  • Franziska Hardenberg vor ihrem Shop in der Berliner Steinstraße: Dorthin geht auch ein Abo - zur Qualitätssicherung.
    foto: bloomy days

    Franziska Hardenberg vor ihrem Shop in der Berliner Steinstraße: Dorthin geht auch ein Abo -
    zur Qualitätssicherung.

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