Warum die profitable Lenzing spart

Interview21. Februar 2014, 22:10
54 Postings

Warum der oberösterreichische Faser-Riese Lenzing trotz Gewinn ein ambitioniertes Sparprogramm fährt, erklärt Vorstandschef Peter Untersperger: Es geht um "Nachschärfen für den Wettbewerb"

STANDARD: Nach langer Erfolgsgeschichte und Rekorden: Dass Ihr ambitioniertes Sparprogramm von 120 Millionen Euro pro Jahr nicht noch mehr Jobabbau bringt, ist nicht ausgeschlossen. Dass dieser Kurs bei Millionengewinn auf Kritik stößt, ist verständlich ...

Untersperger: Die Sparmaßnahmen sind der Zukunft geschuldet, nicht der Vergangenheit. Wenn wir warten, bis wir Verluste machen, dann müssen wir später Notmaßnahmen setzen, die im schlimmsten Fall dann unkontrolliert und auch unsozial ablaufen. Wie viele Mitarbeiter tatsächlich ausscheiden werden, ist noch nicht klar. Denn wir wollen ohne Kündigungen auskommen. Pension, Altersteilzeit, Arbeitsstiftung, Bildungskarenz - wir haben ein ganzes Paket an Möglichkeiten geschnürt. Grundsätzlich: Das Management ist ja verpflichtet, Gegensteuerungsmaßnahmen zu setzen, wenn man seine Wettbewerbsvorteile zu verlieren droht. Wir müssen nachschärfen für den Wettbewerb.

STANDARD: Ein Sozialplan ist ja im Dezember unterzeichnet worden. Spart der Vorstand auch bei sich selbst?

Untersperger: Wir werden ab 2014 halb so viel verdienen wie zuletzt. In meinem Fall: 1,3 Millionen minus 50 Prozent. Darüber hinaus sparen wir bei den Sachausgaben - es soll nur ein Drittel der Einsparungen aus Personalmaßnahmen kommen, das Gros aus Sparen bei Sachausgaben und Materialkosten und Effizienzsteigerung.

STANDARD: Wie geht es Ihnen? Sie sind seit mehr als einem Vierteljahrhundert bei Lenzing?

Untersperger: Wir konnten einen großzügigen Sozialplan verhandeln, das Programm geht über zwei Jahre und wird für den Arbeitsmarkt verkraftbar sein. Aber: Es ist jeder einzelne Fall ein individueller Fall und ein menschliches Schicksal.

STANDARD: Zum Wettbewerb: War die Globalisierung von Lenzing also letztlich doch ein Schaden für Österreich?

Untersperger: Ohne Internationalisierung gäbe es Lenzing schon lange nicht mehr als eigenständiges Unternehmen. Wenn sich die Absatzmärkte von Europa nach Asien bewegen, gibt es auch keine Alternative. Wir stehen nun einmal im globalen Wettbewerb.

STANDARD: Kann Österreich denn mittelfristig mithalten mit China, Indonesien?

Untersperger: Ja, das geht, mit höherer Produktivität, mit Nischenprodukten, über technologische Vorteile und Innovation. Die Personalkostenvorteile Asiens sind in unserer kapitalintensiven Industrie nicht so ausschlaggebend. In Lenzing haben wir den Vorteil der Rückwärtsintegration und den Energieverbund durch die "Holzraffinerie", das bringt uns wesentliche Vorteile. Wir haben ja auch mit unserer Investitionsstrategie sehr deutlich gezeigt, woran wir glauben: Zwischen 2005 und 2013 haben wir insgesamt 1,5 Milliarden Euro investiert - 824 Millionen davon in Österreich. Das ist mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens.

STANDARD: Und glauben Sie noch?

Untersperger: Ja. Jetzt ist ein Nachschärfen der Wettbewerbsfähigkeit notwendig. Wir werden an allen Standorten weltweit besser werden. Wir werden wieder globale Kostenführerschaft erreichen, davon bin ich überzeugt. Ich rechne noch mit zwei Jahren schwacher Preise, die Megatrends sind aber ungebrochen, das heißt, unsere Märkte wachsen, die Nachfrage nach unseren Produkten wächst. Wie das gehen kann, hat das Wachstum bei der Tencel-Faser mit 140 neuen Arbeitsplätzen gezeigt. Wir sind ja Marktführer, auch technologisch und in puncto Öko-Produktionsstandards. (DER STANDARD, 22./23.02.2014, Karin Bauer)

 

Peter Untersperger (1960) ist Vorstandsvorsitzender der Lenzing AG mit 6600 Mitarbeitern, rund zwei Mrd. Euro Umsatz und 2012 rund 192 Mio. Gewinn. Er ist stv. Vorsitzender der Industriellenvereinigung, Obmann des Fachverbandes der chemischen Industrie.

  • Reduziert auch seine Gage von zuletzt rund 1,3 Millionen Euro um die Hälfte: Lenzing-CEO Peter Untersperger.
    foto: m. hetzmannseder

    Reduziert auch seine Gage von zuletzt rund 1,3 Millionen Euro um die Hälfte:
    Lenzing-CEO Peter Untersperger.

Share if you care.