Treichl-Stürgkh: "Der Ball ist längst entpolitisiert"

21. Februar 2014, 10:20
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Compliance-Regelungen lassen neue Gäste zum Zug kommen, weil beispielsweise staatsnahe Betriebe absagen

Wien - Man muss die Feste feiern, wie sie fallen - selbst wenn sie sich, wie der diesjährige Opernball am 27. Februar, mitten in einer ausgewachsenen Banken- und Staatsfinanzenkrise wiederfinden. "Das Versäumnis der Politik soll nicht auch noch auf den Opernball seinen Schatten werfen", zeigte sich Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh im APA-Interview überzeugt.

"Der Opernball ist der Inbegriff österreichischer Balltradition, ein wunderschönes Fest, das auch international eine große, positive Ausstrahlung hat", so die Organisatorin. Die Zeiten, da der Ball polarisiert hat, sind längst vorbei, die letzten Anti-Opernball-Demonstrationen liegen bereits mehrere Jahre zurück." Inzwischen ist der Opernball längst entpolitisiert, bei uns werden die Künstler großgeschrieben", erklärte Treichl-Stürgkh das. Natürlich sei er immer noch ein Staatsball mit vielen Gästen aus der Politik, statt Bankdirektoren sehe man jetzt allerdings eher Schauspieler oder Designer auf dem Roten Teppich oder der Tanzfläche.

"Haben einiges ändern müssen"

Die Politik spürt Treichl-Stürgkh nicht, die neuen Compliance-Regelungen dafür umso mehr: "Da haben wir einiges ändern müssen. Oft kauft der Gastgeber jetzt nur noch die Loge und die Karten zahlen die Gäste selbst. "Manche würden sogar ganz auf ihre Logen verzichten. "Wir haben heuer sehr viele Gäste, die noch nie eine Loge hatten. Die kommen jetzt zum Zug, wenn beispielsweise staatsnahe Betriebe nicht wollen."

Ginge es nach Treichl-Stürgkh, sollten sich noch weitaus mehr neue Gesichter um eine Loge bewerben. "Man muss sich einfach trauen, es gibt immer eine Chance", betonte sie. Heuer erwartet die Gastgeberin vor allem viele Gäste aus Deutschland. "Deutschland hat den Ball für sich entdeckt", meinte sie. Auch viele junge Firmen haben heuer eine Loge. Eine bessere Gelegenheit, internationalen Gästen Österreich zu präsentieren, gebe es aber auch kaum, ist Treichl-Stürgkh überzeugt: "Die Eröffnung, das ist schon Gänsehaut."

Kofi Annan ist Gast des Bundespräsidenten

Die Eröffnung wird auch der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, erleben. Der Friedensnobelpreisträger wird den Ball mit seiner schwedischen Frau Nane als Gast von Bundespräsident Heinz Fischer besuchen. Am 28. Februar hält er zudem einen Vortrag zu internationalen Fragen im Parlament, wie am Freitag per Aussendung bekannt gegeben wurde. "Es ist das erste Mal, dass ich eine Persönlichkeit aus Afrika zu Gast am Opernball habe", zeigte sich der Bundespräsident erfreut.

Andere Besucher des Balls, die bereits ihr Kommen zugesagt haben, sind Regisseur Stefan Ruzowitzky, der deutsche Musical-Star Anna Maria Kaufmann, die Schauspieler Sunnyi Melles und Tobias Moretti, Maler Christian Ludwig Attersee, Promi-Koch Johann Lafer, das Model Melanie Scheriau, Tausendsassa Hubertus Hohenlohe, die ehemalige Ball-Organisatorin Lotte Tobisch sowie Angelo Gaja, seines Zeichens "berühmtester Winzer Italiens".

Eisstand und Fotoecke

Treichl-Stürgkh meint, sie habe beim für sie siebten Opernball als Organisatorin optisch und gestalterisch mehr oder weniger alles ausgereizt - mit dem heuer neuen Eisstand und der Fotoecke seien auch die letzten Wünsche in Erfüllung gegangen. Besonders stolz ist die Opernball-Chefin auf das rote Empfangszelt. "Wenn der Aufbau des Zelts am Montag beginnt, denke ich mir jedes Mal: 'Das hast du dir ausgedacht.' So bleibt von der Desi Treichl wenigstens ein bisschen was auf der Erde zurück." Über Tumulte auf der Feststiege macht sich die Organisatorin kaum Gedanken - selbst Richard Lugners Stargast, das US-It-Girl Kim Kardashian, die mit einem eigenen Fernsehteam anrücken möchte, bereitet keine schlaflosen Nächte. "Das ist eine Sache von Drehgenehmigungen und damit beim ORF", erklärte sie.

Lugner hat "hundert Brösel"

Richard Lugner hingegen ist da weniger gelassen: "Es gibt hundert Brösel", sagte er am Freitag kleinlaut zur Austria Presseagentur in Bezug auf seinen Stargast. Lugner ging aber immerhin "zu hundert prozentiger Sicherheit" davon aus, dass Kardashian in Wien landen wird, doch ob sie sich auch an das vertraglich vorgegebene Programm hält, ist eher fraglich. "Ihr Produktionsbüro organisiert ständig hinter meinem Rücken irgendwelche Drehorte für ihre Sendung", grummelte der Baumeister. Das Problem dabei: Kardashian hat eigentlich gar keine Zeit dafür - wenn sie sich an den offiziell vereinbarten Zeitplan hält.

"Das ganze Jahr Opernball"

Treichl-Stürgkh machen andere Dinge Albträume: "Am schlimmsten wäre, wenn ich eine Loge verkauft aber vergessen hätte, sie zu reservieren." Selbst sei ihr das jedoch glücklicherweise noch nie passiert. Dafür sorgt schon die Vorbereitung: "Ich bin das ganze Jahr Opernball", meinte Treichl-Stürgkh. Auch die Absage des kompletten Balls wäre so ein Horrorszenario - oder eine dicke Fieberblase. Die Fieberblase könnte auch tatsächlich mal passieren, denn: "Der Tag ist von Anfang bis Ende Stress."

Vom Aufbau der Blumen in der Früh bis zum letzten Händeschütteln mit Sponsoren und Gästen um 2.00 Uhr. "Wenn man mich lächelnd durch die Oper laufen sieht, ist das auch Arbeit", betonte Treichl-Stürgkh. Die Gastgeberin sieht sich vor allem als Coach: "Ich höre mir alle Wehwehchen an und versuche, positive Energie weiterzugeben. Jammern kann ich dann daheim." Heuer wird die Ball-Organisatorin aber zumindest von ihrem Ehemann unterstützt. "Das ist schon schön, wenn man jemanden dabei hat." Ansonsten tut es in den frühen Morgenstunden auch mal die Disco: "Das ist immer ein herrlicher Moment, wenn ich mir eine halbe Stunde alles von der Seele tanze." (APA, 21.2.2014)

  • Ginge es nach Desiree Treichl-Stürgkh, sollten sich noch weitaus mehr neue Gesichter um eine Loge bewerben. "Man muss sich einfach trauen", meint die Opernballorganisatorin.
    foto: apa/helmut fohringer

    Ginge es nach Desiree Treichl-Stürgkh, sollten sich noch weitaus mehr neue Gesichter um eine Loge bewerben. "Man muss sich einfach trauen", meint die Opernballorganisatorin.

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