Jan Koum: Eine typisch amerikanische Erfolgsgeschichte

20. Februar 2014, 19:06
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WhatsApp-Mitbegründer: "Wir wollten eine App entwickeln, die eine 60-jährige Oma ohne jegliche Computerkenntnisse nutzen könnte"

Vom Essensmarkenempfänger zum Milliardär, diese Geschichten lieben die Amerikaner. Jene von WhatsApp-Mitbegründer Jan Koum ist aber noch beeindruckender: Er wuchs in einem Dorf in der Nähe von Kiew auf, sein Vater war Bauleiter, seine Mutter Hausfrau. In dem Haus, in dem die Familie lebte, gab es kein Warmwasser, seine Eltern telefonierten kaum, aus Angst, von den staatlichen Behörden abgehört zu werden.

Flucht vor Antisemitismus

1992 flüchtete der damals 16-jährige Koum mit Mutter und Großmutter nach Mountain View an die Westküste der USA, weil sie befürchteten, als jüdische Familie von Antisemiten verfolgt zu werden. Der Vater blieb in der Ukraine.

In den USA war die Familie zunächst auf Sozialhilfe angewiesen. Koum hat das nicht vergessen: Für die Unterzeichnung des Verkaufs von WhatsApp an Facebook hat er das verlassene Behördengebäude ausgesucht, in dem er einst für Lebensmittelmarken anstand. Koums Anteil an WhatsApp macht ihn jetzt 6,8 Milliarden Dollar schwer.

Die Überwachung im Sowjetregime habe seinen Sinn für Datenschutz geschärft - so berührte ihn der Stasi-Film Das Leben der Anderen, den er vor kurzem sah, erzählte Koum.

"Wir wollten eine App entwickeln, die eine 60-jährige Oma ohne jegliche Computerkenntnisse nutzen könnte"

Und der einstige Wunsch, mit seinem Vater zu kommunizieren, habe ihm den Wert eines Dienstes wie WhatsApp gezeigt. "Wir wollten eine App entwickeln, die eine 60-jährige Oma ohne jegliche Computerkenntnisse nutzen könnte", sagte er. Mit "Wir" meint Koum WhatsApp-Mitbegründer Brian Acton. Er gilt wie Koum als medienscheu. Nur selten treten die beiden in der Öffentlichkeit auf.

Kennengelernt haben sie sich bei Yahoo, wo sie gemeinsam am Ausbau der IT-Infrastruktur und an mobilen Anwendungen des Webkonzerns arbeiteten. 2008 verließ Koum Yahoo und entwickelte den WhatsApp-Messenger. Dann holte er Acton dazu. 2009 kaufte sich Koum ein iPhone und erkannte das Potenzial des zu diesem Zeitpunkt erst sieben Monate alten AppStores. WhatsApp entwickelte sich sehr schnell zu einer der beliebtesten Apps überhaupt.

Mittlerweile hat das WhatsApp-Phänomen die Grenzen der Zwinkersmiley-Generation bereits überschritten. Auch die Elterngeneration nutzt WhatsApp, statt SMS zu schreiben. Eltern kontrollieren ihre Kinder über die App. Und der Berliner Sänger MC Fitti rappt auf seinem neuen Album, "Ich bin der WhatsApper." (DER STANDARD, 21.2.2014)

  • WhatsApp-Mitbegründer Jan Koum tritt fast nie öffentlich auf
    foto: ap

    WhatsApp-Mitbegründer Jan Koum tritt fast nie öffentlich auf

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