Die Rubel rollen nicht

Kolumne20. Februar 2014, 18:27
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Die Tradition mit freundlichen Menschen an der Rezeption zu diskutieren

Das Kastl im Zimmer, welches zweifelsfrei dazu da ist, einen Kühlschrank zu beherbergen, ist immer noch leer. Macht nichts. Dafür pickt auch der Zettel nicht drauf, von dem ein Kollege berichtet, der in seinem Zimmer ein Kastl hat, in dem ein Kühlschrank wohnt. Abgesehen davon, dass sich das Zimmer in einem anderen Hotel befindet, steht auf dem Zettel, dass man den Kühlschrank, der auch auf den Namen Minibar hört, nicht mit selbst mitgebrachten Getränken oder Lebensmittel befüllen darf. Tut man dies dennoch, ist ebenfalls dem Zettel zu entnehmen, wird das Kühlgut in Rechnung gestellt. Logisch, diese Taktik steigert den Gewinn.

Die Diskussion mit den freundlichen Menschen an der eigenen Rezeption ist zu einer schönen Tradition geworden. Wie berichtet waren vor Anbeginn der Spiele ausschließlich Doppelzimmer zu buchen gewesen und bei der Ankunft in Sotschi nur Einzelzimmer zu haben. Das macht schon was, nämlich einen Unterschied im Preis, der lange vor den Spielen zu entrichten war. 170 Dollar kostete das Doppelzimmer pro Nacht, 130 Dollar das Einzelzimmer. Die Dollar sind von Österreich nach Russland gerollt. Verkompliziert wird die Diskussion an der Rezeption dadurch, dass man die Ankunft flugzeugbedingt vom 3. auf den 4. Februar verschoben hat und die Abreise olympiabedingt vom 21. auf den 23., an dem die Spiele feierlich geschlossen werden. Womit die Rezeption schuldet. An dieser wird in hiesiger Währung gerechnet. Einzelzimmer: 4160 Rubel. Doppelzimmer: 5440 Rubel. Schon am 16. Tag akzeptiert die Rezeption ihre Schuld. Doch die Rubel rollen nicht. Bedauerlicherweise hat sie, die Rezeption, kein Geld, und eine Rücküberweisung sei papierkriegsmäßig unvorstellbar. Aber man könne ja zum Abendessen kommen. Auch das steigert den Gewinn. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 21.02.2014)

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