Auswärts ist das neue Daheim

20. Februar 2014, 18:21
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Die Bayern können nach dem 2:0 bei Arsenal bereits fürs Viertelfinale planen. Der Heimvorteil hat die Krise

London - Eine ausschweifende Partynacht gab es diesmal im Grand Ballroom des Londoner Landmark-Hotels nicht. Doch neun Monate nach dem Triumph in der Champions League war die Stimmung bei Bayern München auch diesmal ausgesprochen gut. "Wir kommen immer gerne nach London. Es gibt diesen schönen Spruch: Football is coming home, man kann auch sagen: FC Bayern is coming home", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beim Mitternachts-Bankett.

Das 2:0 beim FC Arsenal hat die Tür zum Viertelfinale weit geöffnet. Das Rückspiel am 11. März findet trotzdem statt. Denn von Arroganz sind die Bayern bei aller Überlegenheit weit entfernt. Zumal Präsident Uli Hoeneß einige Konkurrenten "mit hoher Qualität" sieht und auch die Partie in London in einer spektakulären ersten Hälfte einen anderen Verlauf hätte nehmen können.

"Wir haben den Anfang verschlafen", räumte Verteidiger Jerome Boateng ein, der Glück hatte, dass sein Foul an Mesut Özil, das Schiedsrichter Nicola Rizzoli in der neunten Minute mit Strafstoß geahndet hatte, folgenlos geblieben war. Torwart Manuel Neuer hielt den schwach geschossenen Elfer von Özil, der sich deshalb auf der Insel Spott gefallen lassen musste. "Özil ist nun einer von uns", titelte Daily Mail angesichts der Elfhistorie der Engländer gegen Deutschland: "Wir haben offenbar mehr Einfluss auf ihn als er auf unser Spiel. Man hatte das Gefühl, als er sich den Ball schnappte, dass er mit den Gedanken woanders war." Der schwache Schuss sei "ein Spiegelbild seiner Form", lästerte The Sun.

Der Schlüssel

Neuer wollte seinen Anteil am siebenten Auswärtssieg in der Königsklasse in Serie (Rekord von Ajax Amsterdam eingestellt) nicht überbewerten. Für ihn sei "die Schlüsselszene" vielmehr der Platzverweis gegen Gunners-Keeper Wojciech Szczesny (41.) gewesen, der den durchgebrochenen Arjen Robben unsanft von den Beinen geholt hatte. Zwar vergab auch ÖFB-Teamspieler David Alaba den fälligen Elfer (Stange), doch fortan war Arsenal in Unterzahl chancenlos. "Wenn die Bayern in Ballbesitz sind, ist das schon beeindruckend. Zu zehnt war das ein Himmelfahrtskommando", sagte der geknickte Gunners-Kapitän Per Mertesacker: "Das tut so weh." Die Treffer von Toni Kroos (54.) und Thomas Müller (88.) schmerzten besonders: Der überragende Kroos hatte insgesamt 172 Ballkontakte, was seine Trainer Pep Guardiola sehr gefallen hat. "Ich liebe solche Spieler. Er will immer den Ball."

Auffallend bei den vier Hinspielen war, dass die Gastgeber viermal verloren und dabei kein einziges Tor erzielt haben. Atletico Madrid siegte beim AC Milan 1:0. Bereits am Dienstag gewann Zlatan Ibrahimovic gemeinsam mit Paris SG in Leverkusen 4:0, Barcelona kränkte Manchester City mit 2:0. Guardiola sieht darin keinen Trend, den Heimnachteil gibt es nach wie vor eher nicht. (red, DER STANDARD, 21.2.2014)

  • Der Deutsche Mesut Özil hat eine englische Tugend bereits übernommen: Er verschießt Elfmeter. Auch deshalb war Arsenal gegen Bayern München chancenlos.
    foto: epa/andy rain

    Der Deutsche Mesut Özil hat eine englische Tugend bereits übernommen: Er verschießt Elfmeter. Auch deshalb war Arsenal gegen Bayern München chancenlos.

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