31 Messerstiche: Angeklagter wegen Totschlags verurteilt

20. Februar 2014, 18:09
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Zwei Jahre Zusatzstrafe - Bluttat vor sieben Jahren - Urteil nicht rechtskräftig

Wien - Ein Mann, der vor sieben Jahren in Wien einen 58-jährigen Koch in dessen Wohnung im Bezirk Fünfhaus mit 31 Messerstichen zu Tode gebracht hat, ist am Donnerstagnachmittag im Straflandesgericht wegen Totschlags schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen verwarfen mit sechs zu zwei Stimmen die Mordanklage.

Der 26-Jährige erhielt eine Zusatzstrafe von zwei Jahren, nachdem er wegen eines in Rumänien verübten Raubes in seinem Heimatland bereits zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig, da der Staatsanwalt keine Erklärung abgegeben hat. Der Angeklagte war mit dem Urteil einverstanden.

Abwehr sexueller Avancen

Der zur Tatzeit erst 19 Jahre alte Mann sagte vor Gericht, er habe zum Küchenmesser gegriffen, um sexuelle Avancen abzuwehren. Erinnern könne er sich an höchstens "fünf bis sechs Messerstiche".

Die beiden Männer lernten sich am Westbahnhof kennen, und der Koch nahm den Burschen mit nach Hause. "Er hat mir angeboten, dass ich duschen könnte, wenn ich möchte", sagte der Beschuldigte vor Richter Andreas Hautz. Doch plötzlich habe der 58-Jährige den Duschvorhang weggezogen und ihm etwas zu trinken gegeben. "Auch meine Kleider waren nicht mehr dort, wo ich sie im Badezimmer hingelegt hatte", sagte der 26-Jährige. "Ich wollte nicht trinken, weil für mich die Situation komisch war", erklärte der Angeklagte.

"Ich habe gesagt, dass ich so etwas nicht mache, wenn er vorhat, mit mir was zu machen", sagte der Rumäne. Daraufhin sei der Koch sehr böse geworden und hätte ein Messer geholt und hätte mit der Klinge an seinem Körper entlang gezogen, sodass kleine Schnitte entstanden. "Ich habe gesagt, es tut mir leid, aber das kann ich nicht machen."

Etliche Schmuckstücke geraubt

Er habe versucht sich zu wehren, doch als der Mann ihn habe küssen wollen und an seine Geschlechtsteile gegriffen, "dann habe ich keine Kontrolle mehr gehabt". Erst als der Koch tot war, sei ihm klar geworden, "dass etwas Schlimmes passiert ist. Ja, ich war es." Er sei bereits 1996 in Rumänien von einem älteren Mann sexuell missbraucht worden, das hätte ihn daran erinnert.

Dass sich der junge Mann nur gewehrt hat, ist für die Staatsanwaltschaft insofern wenig wahrscheinlich, als dem Koch etliche Schmuckstücke geraubt worden sein dürften. Er sei wieder zum Bahnhof gegangen und von dort mit einem Freund in die Wohnung zurückgekehrt, sagte der Angeklagte. Während der damals 19-Jährige versuchte, seine Spuren zu verwischen, soll der Freund den Schmuck an sich genommen haben. "Ich weiß nicht genau was, ich war mehr damit beschäftigt, meine Spuren zu beseitigen."

Auf der Suche nach dem Täter tappte die Polizei lange im Dunkeln, bis die DNA-Expertin Christina Stein an einer am Tatort sichergestellten Cola-Dose Spuren eines fremden Mannes fand. Wie sich bei den Ermittlungen herausstellte, stimmten diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit der des mittlerweile 26 Jahre alten Rumänen überein. Dieser wurde im vergangenen September in Bukarest festgenommen. (APA, 20.2.2014)

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