Dachboden als Draufgabe für Schillerplatz

20. Februar 2014, 18:09
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Die Potenz des Rohdachbodens des Telekom-Palais ist ermittelt. Ohne Dachausbau und abzüglich Minderheitsabschlag entspricht der Verkehrswert dem Verkaufspreis

Wien - Das Ergänzungsgutachten, das Richterin Claudia Loidolt-Moravec im Schillerplatz-Prozess der Telekom Austria (TA) in Auftrag gegeben hat, scheint für Ex-ÖBB-Holding-Chef Martin Huber, seine Ehefrau und das Ex-Telekom-Vorstandsduo Heinz Sundt und Stefano Colombo vorteilhaft. Gutachter Roland Popp errechnete den Verkehrswert der 2006 von der TA verkauften Etagen der Schillerplatz-Immobilie ohne Dachausbauprojekt und kam zu dem Schluss: Der nackte Dachboden "unter jeglicher Ausschaltung des Projekts" wies einen Verkehrswert von 6,9 Millionen Euro aus. Berücksichtigt man noch einen "Abschlag von 20 Prozent für schlichtes Minderheitseigentum" - Hubers waren nicht Alleineigentümer des Gründerzeithauses, sie erwarben nur Teile - kommt laut Gutachten, das dem Standard vorliegt, nur 5,5 Mio. Euro Verkehrswert heraus.

Zur Erinnerung: Verkauft wurde die Immobilie von der TA im Dezember 2006 um 5,4 Millionen Euro, Hubers verkauften elf Monate später an Seeste Bau um 10,9 Mio. Euro. Seeste baute den Dachboden zu Luxuswohnungen aus.

Die Frage, ob auf Basis der neuen Bewertung die Wahrscheinlichkeit eines Freispruchs für die vier Angeklagten höher ist als vor der Herausrechnung der Potenz des Dachbodens, bewerten Juristen unterschiedlich. Als Vergleichswerte zog Popp zwölf Bürohausobjekte im ersten Bezirk heran, die zeitnahe (1,5 Jahre vor und nach Bewertungsstichtag Mai 2006) veräußert wurden.

TA entgingen 4,4 Millionen

Mit Dachbodenprojekt hatte der Sachverständige einen Verkehrswert jenseits der 9,8 Mio. Euro errechnet. Laut Staatsanwaltschaft entgingen der TA mindestens 4,4 Mio. Euro.

Fakt ist, dass die TA nicht "unsanierte und nach langer Nutzung stark abgewohnte" Nutzflächen in Erdgeschoß, viertem, fünftem und sechstem Obergeschoß samt Rohdachboden veräußerte, sondern ein detailliert geplantes Ausbauprojekt, für das die Baubewilligung des Magistrats de facto (wenn auch nicht formal) vorlag. Auch drohende Denkmalschutzauflagen konnten klein gehalten werden, auf ein Minimum (Fassade, Stiegenhaus) reduziert sozusagen. Behördliche Bewilligungen und Einreichpläne hatten Telekom und Hubers Projektentwicklungsgesellschaft SP4 stets gemeinsam beantragt und erhalten.

Zufall oder nicht: Der bereits mit der TA im Mai 2005 vereinbarte Mindestpreis von 5,4 Millionen Euro - ein Vielfaches des historischen Buchwerts - blieb bis Dezember 2006 unverändert. Auf 5,25 Millionen - war der verkaufbare Teil der Immobilie von der TA taxiert worden. Dem Kaufvertrag, der auf einer Exklusivvereinbarung (Kaufoption) mit dem damaligen TA-Chef Heinz Sundt basierte, lagen jedenfalls fertige Pläne für drei Büros im Erdgeschoß, acht Wohnungseigentumsobjekte (Büros) im vierten Obergeschoß sowie 13 Wohnungen im fünften, sechsten und Dachgeschoß bei.

Laut Huber war der Schillerplatz ein "gutes Geschäft" mit vielen Risiken. Der Prozess geht 4. März weiter. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 21.2.2014)

  • Ohne Dachausbau und abzüglich Minderheitsabschlag entspricht der Verkehrswert der von der Telekom an Ex-ÖBB-Chef Martin Huber verkauften Immobilie dem Verkaufspreis.
    foto: reuters/bader

    Ohne Dachausbau und abzüglich Minderheitsabschlag entspricht der Verkehrswert der von der Telekom an Ex-ÖBB-Chef Martin Huber verkauften Immobilie dem Verkaufspreis.

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