Japan: Schlechtestes Außenhandelsergebnis

20. Februar 2014, 17:53
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Verheerende Bilanz: Für Jänner hat Japan das schlechteste Außenhandelsergebnis seiner Geschichte verzeichnet

Die Zahlen könnten kaum schlechter sein: Für Jänner hat Japan das schlechteste Außenhandelsergebnis seiner Geschichte verzeichnet. Knapp 2,8 Billionen Yen (20 Milliarden Euro) Defizit binnen eines Monats meldete die Regierung am Donnerstag. Diese Bilanz ist verheerend für die Wirtschaft des Landes - und zwar für die Exportseite ebenso wie für die Importe: Jahrzehntelang hatte Japan fast ununterbrochen mehr Güter ins Ausland verkauft als von dort bezogen.

Die externe Nachfrage stützte die heimische Konjunktur selbst nach dem Platzen der japanischen Aktien- und Immobilienblase Anfang der 1990er-Jahre.

Doch nun ist davon nicht mehr viel zu spüren. Im Gegenteil: Im vierten Quartal 2013 hatte das Ungleichgewicht zwischen Importen und Exporten das Wachstum um 0,5 Prozentpunkte auf enttäuschende 0,3 Prozent gedrückt. Zwar legte die Wirtschaft im Gesamtjahr 2013 mit 1,6 Prozent stärker zu als in den beiden Vorjahren, doch längst nicht genug, um Japan aus seiner langfristigen Stagnation zu reißen. Schuld daran ist unter anderem die Abschaltung aller Atomreaktoren des Landes, die mit teuren Öl- und Gasimporten kompensiert werden muss. Doch auch in anderen Bereichen haben Japans Politiker und Unternehmen Entscheidungen getroffen, für die sie nun den Preis zahlen müssen.

Etwa für die Geldpolitik der japanischen Notenbank: Japans Premierminister Shinzo Abe hatte bei seinem Amtsantritt im Dezember 2012 versprochen, das Land aus seiner langjährigen Deflation zu reißen. Um das zu erreichen, beschloss die Bank von Japan im vergangenen Frühjahr, die Geldmenge binnen zwei Jahren zu verdoppeln. Für den Yen, der bereits durch die politischen Ankündigungen Abes unter Druck geraten war, ging es daraufhin noch weiter bergab. Mussten vor dem Notenbank-Beschluss für einen Dollar noch 93 Yen gezahlt werden, sind es heute mehr als 102 Yen. Der Euro verteuerte sich von 119 auf 140 Yen.

Reaktoren sollen ans Netz

Profitiert haben davon Japans Exporteure. Andere Unternehmen und die heimischen Konsumenten dagegen müssen höhere Importpreise schultern. Erleichterungen für sie scheinen derzeit nur durch einen schnellen Ausbau erneuerbarer Energien möglich - oder durch ein baldiges Wiederhochfahren vorhandener Atomreaktoren. An beiden Alternativen arbeitet die Regierung in Tokio derzeit mit Hochdruck. So hat sie einen Geschäftsplan des Unglücksreaktor-Betreibers Tepco genehmigt, der den Neustart von Kraftwerken im Juli dieses Jahres vorsieht. Noch fehlt die Zustimmung der Atomaufsichtsbehörde und der betroffenen Präfekturregierung in Niigata. Alles deutet jedoch darauf hin, dass in Japan 2014 einige Meiler wieder ans Netz gehen werden.

Während die Energieimporte mit der Zeit abnehmen könnten, geben die Exporte Anlass zur Sorge. Sie stiegen im Januar lediglich um 9,5 Prozent zum Vorjahr, während die Importe um 25 Prozent zulegten. Das liegt nicht nur an der weltweit schwachen Konjunkturentwicklung, sondern auch an den Unternehmen selbst: "Japans internationale Wettbewerbsfähigkeit hat nachgelassen", sagt Kazumasa Iwata, Leiter des Japan Center for Economic Research. Laut Internationalem Währungsfonds hat sich Japans Anteil an den weltweiten Exporten seit dem Jahr 2000 fast halbiert, während Länder wie Deutschland und Korea ihren Exportanteil beibehalten oder sogar ausbauen konnten.

Einen Grund dafür sehen Experten in der zunehmenden Produktionsverlagerung ins Ausland sowie in zu geringen Inlandsinvestitionen. Tatsächlich sitzen Nippons Firmen auf einem Bargeldvermögen von 1,6 Billionen Euro. "Die Unternehmen erwarten, dass Japans Volkswirtschaft schrumpfen wird", erklärt Ökonom Iwata die hohen Ersparnisse.

Der Pessimismus habe mit der niedrigen Geburtenrate, geringer Zuwanderung, aber auch der geringen Offenheit des heimischen Marktes für ausländische Firmen zu tun. Hier müsse Premierminister Abe mit seinen Strukturreformen ansetzen, fordert Iwata. (Birga Teske aus Tokio, DER STANDARD; 21.2.2014)

  • Premier Shinzo Abe will Japan aus der Deflation führen. Um das zu erreichen, verdoppelt die Bank of Japan die Geldmenge.
    foto: reuters

    Premier Shinzo Abe will Japan aus der Deflation führen. Um das zu erreichen, verdoppelt die Bank of Japan die Geldmenge.

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