ESA-Mission Plato wird ab 2024 eine Million Sterne untersuchen

20. Februar 2014, 17:37
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Die Suche nach bewohnbaren Planeten geht weiter: Mit der Weltraummission Plato will die ESA tausende Planetensysteme finden.

Göttingen/Paris/Graz - Die Europäische Weltraumagentur ESA will mit der Mission Plato ("Planetary Transits and Oscillations of stars") nach Zwillingen der Erde suchen. Das hat das "Science Programme Committee" der ESA am Mittwoch beschlossen. Die Raumsonde soll spätestens 2024 von Europas Raumflughafen in Kourou an Bord einer Sojus ins All starten und dann sechs Jahre lang in Betrieb bleiben. Die Leitung der Mission wird beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) liegen.

Die Fragen, die Plato beantworten soll, betreffen vor allem Planetensysteme und die Entstehung von Leben. "Plato wird Planeten wie die Erde entdecken, die die notwendigen Voraussetzungen für Leben bieten", meinte Laurent Gizon, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen, das an der Mission beteiligt ist. Auch soll der Aufbau unseres Sonnensystems mit anderen Planetensystemen vergleichen werden.

Präzise Helligkeitsmessungen

Ähnlich wie schon die Missionen "CoRoT" und "Kepler" wird Plato nach den minimalen Helligkeitsänderungen suchen, die dabei entstehen, wenn ein Planet in Sichtlinie vor seinem Heimatstern vorüberzieht. Dabei werden 34 einzelne kleine Teleskope zum Einsatz kommen. Durch ihre ausgeklügelte Anordnung soll es möglich sein, bis zu eine Million Sterne zu beobachten, die über die Hälfte des Himmels verstreut sind. Im Unterschied zu früheren Missionen soll Plato sich aber auf Sterne in unserer Nähe konzentrieren, dabei aber einen wesentlich größeren Teil des Himmels absuchen.

Die Forscher erwarten, dass Plato tausende von Planetensystemen finden wird. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Entdeckung von erdähnlichen Planeten liegen, die sich in der habitablen Zone ihres Sterns befinden - also in der Zone, in der flüssiges Wasser an der Planetenoberfläche vorkommen kann.

Symbiose zweier Forschungsgebiete

Die Daten, die Plato liefern soll, sind aber  – wie es auch schon bei CoRoT und Kepler der Fall war – noch für ein ganz anderes Forschungsgebiet von großem Interesse: für die sogenannte Asteroseismologie. Dabei werden hochpräzise Lichtkurven, also Messungen der Sternhelligkeit im Laufe der Zeit, verwendet, um den Aufbau von Sternen zu untersuchen. Aus den Helligkeitsschwankungen die durch die Pulsationen der Sterne verursacht werden, können Forscher dann Dichte, Masse, Radius und möglicherweise sogar das Alter des betreffenden Sternes ableiten.

Die Kombination dieser Daten mit denen der Planetenforscher soll es ermöglichen, das Gesamtsystem aus einem Stern und der um ihn kleisenden Planten besser zu verstehen. Auch sollen die von Plato gelieferten Daten durch Radialgeschwindigkeitsmessungen von der Erde aus ergänzt werden.

Starke Konkurrenz

Plato ist nach "Solar Orbiter" und "Euklid" nun die dritte der sogenannten M-Klasse Missionen der ESA. In dem Auswahlverfahren, das am Mittwoch stattfand, konnte sich Plato gegen vier andere vorgeschlagene Missionen durchsetzen. (APA/guge, derStandard.at 20.2.2014)

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