"News of the World": Ex-Chefredakteurin beteuerte Unschuld

20. Februar 2014, 20:06
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Londoner Gericht lässt einen Bestechungsvorwurf gegen Rebekah Brooks fallen - Ging um Zahlung für Foto, das Prinz William im Bikini zeigt - Von illegalen Abhörpraktiken will sie nichts gewusst haben

London - Die frühere Chefredakteurin des britischen Boulevardblatts "News of the World" hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Abhörskandal um die inzwischen eingestellte Zeitung zurückgewiesen. Sie habe von den illegalen Praktiken nichts gewusst, beteuerte Rebekah Brooks am Donnerstag vor einem Gericht in London.

Es war die erste Prozess-Aussage der 45-jährigen Angeklagten, die zudem pikante Einblicke in die Enthüllungsmethoden ihres Blattes gab. Auf die Frage, ob sie über die Abhörmaßnahmen informiert gewesen sei, antwortete Brooks: "Nein, überhaupt nicht." Sie räumte zwar ein, dass Detektive für die Boulevardzeitung im Einsatz waren. Doch dies sei auch in andere Verlagshäusern gängige Praxis.

Brooks war von 2000 bis 2003 Chefredakteurin der inzwischen eingestellten Zeitung, bevor sie in gleicher Funktion zum Schwesterblatt "Sun" wechselte. Später leitete sie die britische Zeitungssparte von Rupert Murdochs Medienunternehmen News International. Brooks und ihren Mitangeklagten wird vorgeworfen, Telefonate abgehört, Beamte bestochen und polizeiliche Ermittlungen behindert zu haben.

Abhör-Opfer

Unter anderem geht es um das Anzapfen der Mailbox eines vermissten britischen Schulmädchens, das 2002 schließlich ermordet aufgefunden wurde. Zu den Abhör-Opfern zählten auch Stars wie Paul McCartney und der Schauspieler Jude Law sowie Politiker, Mitglieder der Königsfamilie und Angehörige getöteter Soldaten.

Richter John Saunders hatte die langjährige Vertraute von Medienzar Murdoch vor ihrer Aussage von einem der gegen sie erhobenen Bestechungsvorwürfe freigesprochen. Dabei ging es um eine angeblich von ihr genehmigte Bestechungszahlung von 4000 Pfund (rund 4900 Euro) an einen Beamten für ein Foto, das Prinz William bei einer Kostümparty an der Militärakademie Sandhurst im Bikini zeigt. Das Foto war letztendlich nicht veröffentlicht worden, die "Sun" berichtete im September 2006 aber in einem Artikel mit der Überschrift "Willy im Bikini" darüber.

Mehr als 600 Mobiltelefone

Die 2011 aufgeflogene Affäre um das Abhören von mehr als 600 Mobiltelefonen erhält durch Brooks' frühere Nähe zum britischen Premierminister David Cameron zusätzlich Brisanz. Angeklagt ist auch Camerons früherer Pressesprecher Andy Coulson. Er war nach Brooks Chefredakteur von "News of the World".

Seine 45-jährige Vorgängerin gab während ihrer Aussage auch einen Einblick in die Geschäftspraktiken des Boulevardzeitung. Die Enthüllungen über das sexuelle Abenteuer des Schauspielers Hugh Grant mit einer Prostituierten habe sich das Blatt 250.000 Pfund kosten lassen. Das Geld sei 1995 ausgegeben worden, um sich die Geschichte exklusiv zu sichern, erklärte Brooks.

100.000 Pfund für Prostituierte

Brooks zufolge flossen 100.000 Pfund für ein Exklusivinterview direkt an die Prostituierte Divine Brown, die damals in Los Angeles mit Grant beim Oralsex in einem Auto entdeckt worden war. Mit der restlichen Summe sei verhindert worden, dass andere Zeitungen Kontakt zu Brown aufnahmen.

Gemeinsam mit zahlreichen Familienmitgliedern sei die Prostituierte an einen geheimen Ort in den Weiten des US-Bundesstaats Nevada geflogen worden. Derart sollten andere Zeitungen nicht an das Material herankommen. "Das wirkt heute alles so albern, aber es war wirklich wichtig", sagte Brooks.

Das Polizeifoto des zerknirschten Grant ging damals um die Welt. Brown, die mit bürgerlichem Namen Estella Maria Thompson heißt, wurde festgenommen und wegen unzüchtigen Verhaltens und Verstoßes gegen frühere Bewährungsauflagen zu 180 Tagen Haft verurteilt. (APA. 20.2.2014)

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