"Presse" und "Wirtschaftsblatt" rücken näher zusammen

20. Februar 2014, 15:28
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Keine Angaben zu Mitarbeiterabbau - Geschäftsführer Tillian: Qualitätsverbesserung dank "großen Redaktionsnetzwerks" - Journalistengewerkschafter Bauer: "Schritt in die falsche Richtung"

Wien/Graz - Lange ist darüber gerätselt worden, nun ist es fix: Die Redaktionen von "Presse" und "Wirtschaftsblatt" werden wie berichtet näher zusammenrücken. Zwar bleiben beide Styria-Tageszeitungen unabhängig, allerdings werden sie "ab sofort enger zusammenarbeiten", wie der Verlag am Donnerstag mitteilte. Offen blieb vorerst aber, wie viele Mitarbeiter von der "notwendigen Personalreduktion" betroffen sind.

"Presse"- und "Wirtschaftsblatt"-Geschäftsführer Michael Tillian hüllte sich dazu in Schweigen. Zuletzt war ein Abbau von knapp 30 Mitarbeitern beim "Wirtschaftsblatt" kolportiert worden. "Es gibt keine 30 Kündigungen", erklärte Tillian dazu. Angestrebt werden offenbar einvernehmliche Auflösungen der Dienstverhältnisse. "Die Anzahl der Mitarbeiter im 'Wirtschaftsblatt' ist in Verbindung mit der 'Presse'-Redaktion zu sehen. Das große Redaktionsnetzwerk wird dafür sorgen, dass es zu einer Qualitätsverbesserung kommen wird", so die offizielle Sprachregelung des Verlags.

Sozialplan

Betroffene Mitarbeiter wolle man jedenfalls nicht im Regen stehen lassen. "Es wird einen Sozialplan geben, mit dem wir soziale Härten abfedern und wir streben mit allen unseren Mitarbeitern einvernehmliche Lösungen an", so der Geschäftsführer. "Wir sind in guten Gesprächen mit unseren Mitarbeitern und dem Betriebsrat."

Zuvor hatte es aber von Betriebsrat und Redakteursausschuss der "Presse" Protest gegen das Vorgehen rund um das "Fusionsprojekt" gegeben. "Es wurde niemand übergangen, und es wurden in der Kommunikation vonseiten der Geschäftsführung keine Fehler gemacht", betonte Tillian.

Durch die Neustrukturierung würden beide Medien "Österreichs größtes Wirtschafts-Redaktionsnetzwerk" bilden. Am vereinten Standort wird das "Wirtschaftsblatt" den Verlagsinformationen zufolge "thematisch und räumlich" eng mit dem Wirtschaftsressort der "Presse" zusammenarbeiten. Entsprechende Bauarbeiten in der Redaktion soll es in den vergangenen Wochen bereits gegeben haben.

Gemeinsamer Anzeigenverkauf

Inhaltlich soll die Wirtschaftstageszeitung ihr Profil "als unverzichtbare Informationsquelle für alle Wirtschaftstreibenden in Österreich schärfen und ausbauen", hieß es in einer Aussendung des Verlags. Zusätzlich will man mit einer "innovativen Media-Kombination" dem Werbemarkt neue Anreize bieten. Der Anzeigenverkauf wird für beide Marken am 1. März zusammengeführt.

Michael Tillian sprach intern von Auffassungsunterschieden mit der Führung von Mutterkonzern Styria. Er könne also nicht garantieren, wie lange er bleibe. Bei der Styria hieß es, Beschlüsse von Management und Styria-Vorstand zu aktuellen Sparmaßnahmen seien ident.

Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, zeigte sich angesichts der Entwicklungen besorgt. "Wenn es in Richtung Content Engine und Zentralredaktion geht, dann ist das ein Schritt in die falsche Richtung", erklärte Bauer. "Wenn wir über Presseförderung und Qualität diskutieren, stellt sich hier schon die Frage, inwieweit derartige Qualitätsstandards noch in eine 'Presseförderung neu' passen würden. Mit weniger Mitarbeitern mehr Qualität bieten zu wollen, ist aus meiner Sicht nicht logisch." (APA, fid, 20.2.2014)

  • Jetzt fix: "Presse" und "Wirtschaftsblatt" rücken näher zusammen.
    foto: apa/neubauer

    Jetzt fix: "Presse" und "Wirtschaftsblatt" rücken näher zusammen.

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