Hedgefonds setzen auf faule Schiffskredite

20. Februar 2014, 15:54
1 Posting

Die Aussicht auf die Erholung der Weltkonjunktur und die damit wieder in Fahrt kommende Container-Schifffahrt lockt Hedgefonds an

Die Anlageklasse der geschlossenen Fonds wurde durch die Krise arg gebeutelt. Vor allem Fonds, die Schiffe finanziert haben, gerieten in Schieflage, weil die Schiffe aufgrund der Wirtschaftskrise plötzlich weniger ausgelastet waren. Viele Banken haben diese notleidend gewordenen Kredite in Bad Banks ausgelagert. Seit 2012 gibt es auch einen Sekundärmarkt für diese Kredite. Auf dem tummeln sich vor allem Hedgefonds und Private-Equity-Fonds, die diese faulen Papiere aufkaufen.

Laut Schätzungen von AMA Capital Partners, eines Gesellschafters des Emissionshauses Lloyd Fonds, wechselten 2013 ungefähr fünf Milliarden US-Dollar (3,65 Mrd. Euro) an notleidenden Schiffskrediten den Besitzer. Die Nachfrage von Anlegerseite habe die Preise zuletzt bis auf 90 Cent pro geschuldeten Dollar hochgetrieben. Vor einem Jahr waren nur 70 bis 80 Cent fällig gewesen, wie Hartland Shipping Services Ltd., ein ehemals zur HSBC-Bank gehörender Londoner Schiffbroker und Unternehmensberater laut Bloomberg sagt. 

Wette auf Erholung

Die Fonds wetten darauf, dass die Schiffspreise, die in den vergangenen fünf Jahren um bis zu 71 Prozent eingebrochen waren, wieder steigen werden. Sollte ein weiter Preisverfall die Schiffseigentümer in die Pleite treiben, wollen die Fonds - im Gegensatz zu den Banken - zu drastischeren Maßnahmen greifen und die Schiffe selber übernehmen, schreibt "fondsprofessionell.at".

Obwohl die Banken schon seit Jahren versucht haben, ihre Kredite an die Schifffahrtsindustrie zu reduzieren, ist ein Sekundärmarkt für diese nicht vor 2012 entstanden. Hinzu kam, dass Banken Ende 2013 durch Druck seitens der Behörden gezwungen wurden, die Kredite abzustoßen, sagte Randee Day, President und Chef von Day & Partners LLC, einer auf den Schiffsmarkt spezialisierten Unternehmensberatung. So wurde unter anderem die Commerzbank von der Europäischen Zentralbank als systemrelevant eingestuft und musste daher das Risikokapital in ihren Büchern weiter reduzieren.

Die Commerzbank etwa verkaufte im Dezember 14 Chemietanker an einen Hedgefonds von Oaktree Capital Management LP. Der Erlös: 280 Millionen Euro. DNB ASA, Norwegens größte Bank, verkaufte laut Bloomberg-Informationen Kredite, die es Genco Shipping & Trading Ltd. (GNK) gewährt hatte. Und Davidson Kempner Capital Management LLC zahlte im vergangenen Jahr 500 Millionen US-Dollar für einen Teil des Schiffsportfolios der Lloyds Banking Group. (bpf, derStandard.at, 20.2.2014)

  • Containerschiffe litten unter der Wirtschaftskrise. Ihre Finanzierung wankte. Jetzt spekulieren Hedgefonds auf eine Erholung der Branche.
    foto: dpa/maurizio gambarini

    Containerschiffe litten unter der Wirtschaftskrise. Ihre Finanzierung wankte. Jetzt spekulieren Hedgefonds auf eine Erholung der Branche.

Share if you care.