Das Urgestein hat zum Abschluss Bronze

20. Februar 2014, 14:46
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Österreichs nordische Kombinierer verhindern bei letzter Gelegenheit ihren ersten völlig erfolglosen Auftritt seit 1998. Die Mannschaft mit Schlussläufer Mario Stecher holt Bronze und also die 300. österreichische Medaille bei Olympia insgesamt

Krasnaja Poljana - Deutschlands nordische Kombinierer quält ein Komplex. Seit Ende der 1980er-Jahre reicht es ungeachtet der Güte einzelner Athleten für die Mannschaften des DSV bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen nicht mehr zu Gold. In der jüngeren Vergangenheit trug das deutsche Unglück oft den Namen Mario Stecher.

Als Schlussläufer des österreichischen Teams verwehrte der Steirer den Deutschen mit Finalisten Jens Gaiser 2006 in Turin olympisches Gold. In Vancouver ließ Stecher dem vierten US-Amerikaner, Bill Demong, keine Chance. Die Deutschen wurden in Kanada Dritte, wodurch sich deren letzter Mann, Björn Kircheisen, eine Demütigung ersparte, die im Jahr darauf bei der WM in Oslo Tino Edelmann innerhalb weniger Tage gleich zweimal bei um Zentimeter verlorenen Zielsprints gegen Stecher ereilte.

Am Donnerstag und in Krasnaja Poljana schien sich die Geschichte mit bis auf Stecher neuen Akteuren zu wiederholen. Nach dem Springen auf der Großschanze und vor dem Langlauf über viermal fünf Kilometer lag das österreichische Quartett sieben Sekunden hinter den Deutschen und 18 Sekunden vor den Norwegern auf Rang zwei. Die Taktik lag da auf der Hand: Schlussläufer Stecher in Schlagdistanz zu Gold zu bringen und zu hoffen. Und tatsächlich schickten Lukas Klapfer, Christoph Bieler und Bernhard Gruber nach jeweils herkulischen Anstrengungen den 36-Jährigen gegen den norwegischen Großschanzen-Olympioniken Jörgen Graabak (22) und den Deutschen Fabian Riessle (23) ins Rennen um den olympischen Goldhattrick für Österreich.

Stecher hielt die beiden Jungspunde auch lange in Atem, ja attackierte sogar noch im letzten Anstieg, musste sich dann aber mit bequemem Auslaufen zu Bronze bescheiden, während Riessle die obligate deutsche Niederlage im Sprint erlitt.

Die Österreicher trauerten kein bisschen dem entgangenen dritten Gold en suite nach, sondern feierten vielmehr den vierten olympischen Medaillengewinn der Mannschaft in Folge. "Es war ein Superrennen. Schön, wenn man die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten kann", sagte Stecher nach seinem vielleicht letzten großen Erfolg ziemlich genau 20 Jahre nach seinem ersten Weltcupsieg auf dem Holmenkollen. Seine Kollegen hätten ihm eine ideale Ausgangsbasis verschafft. "So ist das ein schönes Laufen. Es beruhigt natürlich einen Schlussläufer, dass man die Bronzemedaille nur noch durch einen Sturz verlieren könnte." Die viertplatzierten Franzosen, ursprünglich eigentlich als harte Konkurrenten eingeschätzt, kamen schließlich mehr als eine Minute hinter Stecher an.

Fast die Schönste

Der und der Tiroler Christoph Bieler (36) werden olympisch keinesfalls mehr wirken. Bieler: "Ich habe mir gesagt: 'Genieße es vom ersten bis zum letzten Moment. Kotz dich aus, gib alles'." Was er und Stecher auf der Schanze gezeigt hatten, "macht mich echt stolz". Auch wie die Medaille passiert ist. "Mit den übermenschlichen Norwegern und Deutschen bis auf die Zielgerade mitgefightet zu haben - für mich ist das fast die schönste Olympiamedaille."

Im Gegensatz zu Stecher und Bieler, die maximal noch die kommende WM-Saison anhängen werden, ist für den um fünf Jahre jüngeren Gruber, der als vorletzter Läufer fast über seine Grenzen gegangen war, Olympia 2018 in Südkorea noch fix eingeplant. "Ich habe Lust auf mehr. Wir haben gezeigt, dass man bei Großereignissen mit uns rechnen muss", sagte der Salzburger.

Ernst Vettori, der sportliche Leiter der Sparten Skispringen und Nordische Kombination im österreichischen Skiverband (ÖSV), sprach nach Abschluss der olympischen Bewerbe im RusSki-Gorki-Stadion von einer "enorm wichtige Medaille. Für mich ist es insgesamt toll, weil wir jetzt in jeder Sparte eine Medaille geholt haben", erinnerte der Tiroler an Silber durch Daniela Iraschko und durch die Springermannschaft. Dessen, dass insgesamt wohl mehr erwartet worden war, wird man sich anlässlich der Saisonanalyse erinnern. (APA, lü, DER STANDARD, 21.2.2014)

Nordische Kombination, Team, Donnerstag:

1. Norwegen (Magnus Moan/Magnus Krog/Haavard Klemetsen/Jörgen Graabak) 47:13,5 Minuten (3. im Springen)
2. Deutschland (Eric Frenzel/Björn Kircheisen/Johannes Rydzek/Fabian Rießle) +0,3 Sek. (1. im Springen)
3. Österreich (Lukas Klapfer/Christoph Bieler/Bernhard Gruber/Mario Stecher) 3,4 (2. im Springen)
4. Frankreich 1:12,8 Min (4. im Springen)
5. Japan 1:17,1 (6. im Springenf)
6. USA 2:21,6 (8. im Springen)
7. Tschechien 2:22,6 (5. im Springen)
8. Italien 2:51,2 (9. im Springen)
9. Russland 5:36,3 (7. im Springen)

  • Zieleinlauf: Jörgen Graabak kommt vor Fabian Rießle (li.) und Mario Stecher an.
    foto: reuters/stefan wermuth

    Zieleinlauf: Jörgen Graabak kommt vor Fabian Rießle (li.) und Mario Stecher an.

  • Österreichs Bronzemedaillen-Gewinner Lukas Klapfer, Christoph Bieler, Bernhard Gruber und Mario Stecher (v. li.).
    foto: apa/ schlager

    Österreichs Bronzemedaillen-Gewinner Lukas Klapfer, Christoph Bieler, Bernhard Gruber und Mario Stecher (v. li.).

  • Spontane Rodelpartie der siegreichen Norweger.
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    Spontane Rodelpartie der siegreichen Norweger.

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