"Dragon Age"-Autor: Homosexualität in Spielen sollte normal sein

20. Februar 2014, 12:31
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Sieht EA und BioWare als Vorreiter bei Firmenkultur - breite Diskussion in Branche noch nicht geführt

Das Fantasy-Rollenspiel "Dragon Age" gehört zu den ersten Titeln, die recht freizügig mit dem Thema Sexualität umgehen. Das Spiel lässt den Protagonisten unter anderem auch gleichgeschlechtliche Beziehungen eingehen.

Eine Offenheit, die mit der die Realität in der Games-Branche aber noch nicht Schritt hält, kritisiert nun David Gaider, der bei "Dragon Age" hauptverantwortlich für die Entwicklung der Handlung ist. Er hat zu dem Thema einen ausführlichen Blogeintrag verfasst.

Zuschrift

Mit seinem Text reagiert Gaider, der selbst homosexuell ist, auf die Zuschrift einer Spielerin. Diese berichtet, dass viele Menschen aus ihrem Umfeld sie nach ihrem Coming-out verstießen. "Ich hatte nicht viele Freunde und es gab nur meine Xbox", schreibt sie.

"'Origins' war magisch, ich konnte einen Charakter erschaffen, der aussieht wie ich und eine Romanze mit einer Frau haben." Ein Lichtblick, der ihr als Stütze diente. Sie will von Gaider wissen, welche Rolle seine Homosexualität bei der Arbeit als Entwickler für ihn bislang gespielt hat.

BioWare und EA als Vorreiter

Nicht jedes Spiel könne alles für jeden abbilden, erklärt der Autor. Er sei allerdings dankbar, Dinge in dieser Form abbilden zu können, auch wenn Videospiele nicht der bedeutendste Bereich des gesellschaftlichen Wandels seien. Sein Arbeitgeber, das Studio BioWare, sei zwar nicht perfekt, man tue dort und auch bei Mutterfirma Electronic Arts sehr viel für inklusive Unternehmenskultur.

Spielecontent dieser Art sei nicht selbstverständlich, zumal eine Person in der Entscheidungskette ausreichen könnte, um ihn zu verhindern.

Wandel

Als er selbst in der Spielebranche Fuß fasste, erzählt Gaider weiter, stellte sich die Frage nach gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Spielen überhaupt nicht. Das Mann-Frau-Schema war etabliert, auch er selbst dachte nicht einmal selbst daran, etwas anderes vorzuschlagen.

Dies änderte sich bei BioWare bei der Entwicklung von "Star Wars: Knights of the Old Republic" und dem Charakter Juhani. Der Impuls kam dabei nicht von Gaider selbst, sondern von einigen Kollegen – die mehrheitlich heterosexuelle Männer sind -, die gleichgeschlechtliche Romanzen berücksichtigen wollten. "Obwohl das lauter liberale und mitfühlende Leute sind, habe ich immer angenommen, dass dieses Thema nicht angesprochen werden würde", schildert Gaiden. "Ich habe auch immer gedacht, 'das Publikum' würde so etwas nicht akzeptieren."

Etiketten

Er selbst sieht sich nicht als "schwulen Entwickler", sondern als "Entwickler, der zufällig auch schwul ist". Er trage seinen Teil zur Mischung aus Standpunkten bei, wolle aber nicht derjenige sein, dem niemand mehr zuhört, weil er sich nur auf ein Thema konzentriere, zumal er auch so eine Reihe von Verantwortlichkeiten übernehmen würde. Sein Ziel sei es nicht, seine Projekte dahingehend zu steuern, ein Spiel zu einem "Spiel für Homosexuelle" zu machen.

Freilich gäbe es aber immer noch genug Leute, die ein solches Label automatisch einem Spiel aufkleben, sobald das Thema darin angeschnitten wird oder ein homosexueller Charakter vorkommt. Die gleichen Leute sehen oft die bloße Anerkennung von Homosexualität als existent wie eine persönliche Beleidigung.

Breite Diskussion steht noch aus

Er hofft, einmal an einem Punkt anzukommen, an welchem homosexuelle Figuren und Beziehungen in einem Videospiel schlichtweg als Norm angesehen werden. Dafür müsse allerdings auch in der Branche eine Diskussion entstehen. Das gestaltet sich als schwer, denn oft werde schon das bloße Auftauchen der Frage von einigen Leuten als Anlass genutzt, sich darüber zu beschweren, dass niemand mehr über etwas anderes rede. Dies sei dann oft garniert mit der Forderung, sich doch etwas Wichtigerem zuzuwenden, obwohl das Thema längst nicht gegessen ist. (gpi, derStandard.at, 20.02.2014)

  • Der nächste Teil der "Dragon Age"-Reihe mit dem Untertitel "Inquisition" soll im Herbst erscheinen.
    foto: bioware

    Der nächste Teil der "Dragon Age"-Reihe mit dem Untertitel "Inquisition" soll im Herbst erscheinen.

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