Ryanair will bei Kunden punkten

20. Februar 2014, 11:04
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Nach Kritik wurden die Gebühren reduziert, ein zweites Handgepäck ist erlaubt und bald schon kommt die Bordkarte vom Handy

Wien - Europas größte Billig-Airline Ryanair startete wegen ihres schlechten Images mit einer Kundenoffensive. So ist seit kurzer Zeit ein zweites Handgepäck erlaubt. Die Gebühr für das Neuausdrucken der Bordkarte am Airport sank von 70 auf 15 Euro. Ab April soll auch die Bordkarte am Handy möglich sein. Wer Gepäck aufgibt, zahlt statt bisher 60 jetzt 30 Euro. Wird das Gepäckstück bereits bei der Buchung angegeben sind dafür 15 Euro fällig.

Sitzplatzreservierung

Seit Anfang Februar ist auch die Sitzplatzreservierung möglich. Zehn Euro für die ersten Reihen und dem Sitz beim Notausgang, die restlichen Reihen kosten bei Reservierung fünf Euro. Damit verbunden ist auch ein bevorzugter Einstieg in den Flieger. Wer einen Sitzplatz reserviert kann 30 Tage vor Abflug einchecken, ohne Platzreservierung sind es sieben Tage. Einen Relaunch erfährt auch der Web-Auftritt. Das knallige Gelb soll sanfter werden. Waren bisher 17 Klicks bis zur Buchung notwendig, sind es jetzt fünf, sagten Svenja Damzog und Marcus Leopold am Donnerstag vor Journalisten in Wien.

Ryanair, die von Österreich ab Linz und Salzburg London Stansted anfliegt, hatte bisher das Geschäftsmodell, nur das Nötigste im Grundpreis einzuschließen und für jedes Extra Geld zu verlangen, lange Zeit strikt verteidigt. Ende des Vorjahres hagelte es massive Kritik der Kunden in den sozialen Netzwerken. Das britische Verbrauchermagazin "Which?" stufte Ryanair in einer Liste der 100 wichtigsten Marken auf dem letzten Platz ein. Das schlechte Image setzte der Fluggesellschaft spürbar zu. So musste sie im Herbst erstmals seit einem Jahrzehnt ihre Geschäftsziele herunterschrauben. Konzernchef O'Leary will mit größerer Kundenfreundlichkeit und einem besseren Service gegensteuern. Vorbild ist Rivale Easyjet.

Erstmals Marketing-Chef

Anfang 2014 heuerte Ryanair einen Marketing-Spezialisten an, um das schlechte Image aufzupolieren. Der 40-jährige Ire Kenny Jacobs, der zuletzt beim britischen Preisvergleichsportal Moneysupermarket.com tätig war, übernahm den neu geschaffenen Job eines Marketing-Chefs. Seinem bisherigen Arbeitgeber verhalf er mit einer viel beachteten TV-Werbekampagne zu Bekanntheit.

Gearbeitet wird derzeit auch an einem neuen Produkt für Business-Class-Passagiere. Und die Airline will erstmals auch mit Reise-Veranstaltern zusammen arbeiten. (Claudia Ruff, derstandard.at, 20.2.2014)

  • Ryanair will kundenfreundlicher werden.
    foto: apa/epa/robin townsend

    Ryanair will kundenfreundlicher werden.

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