Die Formel 1 will mehr Großserie wagen

20. Februar 2014, 17:04
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Das neue Reglement der Formel 1 könnte wieder sinnstiftend für die Entwicklung von Serienautos werden

So wie der Verkehrsunfall und die Kritik am Auto ist auch der Motorsport ein beständiger Begleiter des Automobils auf seinem Erfolgsweg. Gerne wird die Rolle des Motorsports für die Entwicklung zukunftsweisender Serientechnologie betont. Sicher ist, dass der Motorsport eher befruchtende Phasen für die Serie hatte und Zeiten, in denen er sich hauptsächlich mit sich selbst beschäftigte.

Im neuen Reglement der For­-mel 1 spiegelt sich wieder stärker die Stoßrichtung eines möglichen au­tomobilen Fortschritts. Die Chancen für positive Rückkoppelungen mit der Serie sind durch das neue Regelwerk gestiegen, was natürlich auch der Attrakti­vität der obersten automobilen Rennserie zuträglich sein kann. 

Turbo mit Potenzial

Peter Schöggl, Leiter des Business-Fields-Racing beim Antriebs- und Messgeräteentwickler AVL-List und dort für das Formel-1-Engagement verantwortlich, sieht gute Chancen für gesteigertes Interesse und Nutzbarkeit der Erkenntnisse für die Serie und meint damit unter anderem den neuen elek­trisch betriebenen Turbolader.

Schöggl: "50 Jahre lang hat man Turbolader weiterentwickelt, mit dem Ziel, die Ansprechzeit zu optimieren. Früher hat man Gas gegeben, und es hat Sekunden gedauert, bis der Ladedruck da war. Diese Ansprechzeit wurde ständig verkürzt, indem man die Turbo­lader kleiner und leichter gemacht hat. Dabei ist der Wirkungsgrad ­etwas auf der Strecke geblieben. Durch die Unterstützung des Elek­tromotors kann der Durchmesser wieder größer werden, das geht positiv in den Wirkungsgrad ein. Höherer Wirkungsgrad bringt ei­nen geringeren Verbrauch."

Luft gibt es genug

Neu ist auch die scharfe Begrenzung des Energieverbrauchs auf mehreren Ebenen, von der Einspritzung bis zum Tankvolumen. Schöggl: "Bis jetzt wurde die Leistung durch Drehzahl, Ladedruck oder Luftdurchfluss begrenzt. Viele Rennformeln haben einen Luftrestrictor. Luft haben wir aber genug auf der Erde, Benzin geht irgendwann zur Neige. Deswegen ­limitiert die Formel 1 nun den Kraftstoffdurchfluss. Der darf in keinem Moment höher als 100 kg pro Stunde sein. Dieses Limit gilt schon in der Super-GT, es kommt auch in anderen Rennserien."

Aber nicht nur der Momentanverbrauch ist limitiert. Mitgenommen werden dürfen nur mehr 100 kg Sprit (135 l). Schöggl: "Bis jetzt waren es je nach Strecke 140 bis 160 kg. 50 kg pro Stunde sind für die hohe Leistung wirklich ein sensationell niedriger Wert. Die andere Beschränkung ist: Es dürfen aus der Batterie (des Hybridantriebs) pro Runde vier Megajoule entnommen werden. Das ist jetzt das Zehnfache. Und es ist die doppelte elektrische Leistung erlaubt: 120 kW gegenüber 60 kW. Das heißt, man kann bis zu 33 Sekunden pro Runde antreiben. Damit wurde der sportliche Wert der Hybridkomponenten enorm erhöht."

Der elektrische Energie­umsatz ist übrigens aus einem sehr einfachen Grund limitiert: damit auch die Entwicklungskosten nicht aus dem Ruder laufen. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 21.2.2014)

  • Sebastian Vettels Infiniti Red Bull Racing RB10.
    foto: red bull

    Sebastian Vettels Infiniti Red Bull Racing RB10.

  • Der hinter Vettel eingesetzte, neue Renault-Motor soll nicht zuletzt die Botschaft des Spritsparens propagieren.
    foto: renault

    Der hinter Vettel eingesetzte, neue Renault-Motor soll nicht zuletzt die Botschaft des Spritsparens propagieren.

  • Peter Schöggl von AVL List zeigt, dass beim Thema Turbolader noch einiges möglich ist.
    foto: der standard/rudolf skarics

    Peter Schöggl von AVL List zeigt, dass beim Thema Turbolader noch einiges möglich ist.

  • Für die Automobilhersteller (Beispiel Mercedes) könnte sich das teure Engagement in der Formel 1 bald wieder besser rechnen.
    foto: daimler

    Für die Automobilhersteller (Beispiel Mercedes) könnte sich das teure Engagement in der Formel 1 bald wieder besser rechnen.

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