Whatsapp-Konkurrenten: KakaoTalk, WeChat, Kik und Co - eine Übersicht

20. Februar 2014, 09:57
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Facebook gewinnt durch WhatsApp in Europa, Indien und Afrika - Vor allem in Ostasien vertrauen die Nutzer aber auf heimische Messaging-Dienste

WhatsApp wächst so schnell, dass Marktanalysen hinterherhinken: Lag der mobile Messenger im Oktober 2013 noch bei 350 Millionen Nutzern, sind es nun laut Eigenangaben schon fast hundert Millionen mehr. Eine der wenigen unabhängigen weltweiten Marktstudien wurde Anfang 2013 vom israelischen Start-up und Mobile-Messaging-Spezialisten Onavo durchgeführt, der mittlerweile selbst von Facebook aufgekauft wurde. Die Studie ist somit zwar ein Jahr alt, bietet aber dennoch Einblicke in den Markt für mobile Messenger - und zeigt, dass Facebook durch WhatsApp vor allem in Europa und Indien Zugewinne macht.

In Europa weit voran

Laut der Onavo-Studie, die von Techcrunch visualisiert wurde, war WhatsApp bereits vor mehr als einem Jahr in fast allen europäischen Ländern mit Ausnahme Frankreichs weit vor dem Facebook Messenger. In Österreich lag das Verhältnis Anfang 2013 bei 59 Prozent Marktanteil für WhatsApp und 26 Prozent für Facebook Messenger. Auch in Australien und Kanada lieferten sich die beiden Services ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nachdem WhatsApp seit der Durchführung der Studie massiv an Nutzern gewonnen hat, dürfte es Facebook mittlerweile klar überholt haben.

USA: Mehr Konkurrenz - Voxer, Kik, Snapchat

In den USA spielen neben WhatsApp und dem Facebook Messenger vor allem Voxer, Kik und Snapchat eine Rolle. Voxer ist eine App nach dem Prinzip altmodischer Walkie-Talkie, in der User per Knopfdruck Sprachnachrichten aufnehmen und versenden. Die Anwendung erfreut sich auch in Brasilien hoher Popularität, wo ihr Marktanteil bei 17 Prozent liegt (34 Prozent für Facebook, 71 Prozent für WhatsApp). Kik ähnelt WhatsApp sehr, die Betreiber gaben im Dezember laut DigitalTrends bekannt, bei über hundert Millionen Usern zu liegen.

Snapchat

Bei Snapchat werden sogenannte "Snaps“ verschickt, also z.B. kurze Videodateien, Bilder oder Textnachrichten, die nach einer festgelegten Zeitspanne von ein bis zehn Sekunden wieder gelöscht werden. Snapchat ist vor allem unter jüngeren Nutzern beliebt, die Userzahlen liegen bei mindestens sechzig Millionen, davon sollen rund zwanzig Millionen die App täglich benutzen. Facebook wollte Snapchat vergangenes Jahr erwerben, die Snapchat-Gründer lehnten das Angebot ab.

WhatsApp boomt in Indien, Mexiko und Afrika

Viel wichtiger als Europa und die USA dürfte für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg aber der Markt in den Schwellen- und Entwicklungsländern sein. WhatsApp könnte sich in diesem Fall als gute Investition erweisen. Auch wenn es aufgrund des dynamischen Marktes schwierig ist, aktuelle Zahlen zu finden, steht die Beliebtheit von WhatsApp beispielsweise in Indien, Mexiko, Kenia und Südafrika außer Frage. Der Facebook Messenger konnte in diesen Ländern bisher nicht Fuß fassen, wie eine auf TechCrunch veröffentlichte Studie (wenngleich mit sehr geringer Grundgesamtheit) zeigt.

Südkorea, Japan, China vertrauen auf eigene Dienste

Den asiatischen Markt hat Facebook durch die WhatsApp-Akquisition dennoch nicht in der Tasche: In Südkorea ist beispielsweise KakaoTalk unbestrittener Marktführer. Laut Bloomberg ist die App auf 93 Prozent der südkoreanischen Smartphones installiert, insgesamt gibt es mehr als 100 Millionen Nutzer. In Japan ist wiederum Line der beliebteste mobile Messenger, der übrigens als Reaktion auf überlastete Kommunikationsnetze nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami von 2011 gegründet wurde. Thailänder und Taiwanesen vertrauen ebenfalls auf Line, das weltweit 350 Millionen Registrierungen verzeichnete.

Auch in China führt ein einheimischer Service den Markt an: WeChat (Weixin) soll laut eigenen Angaben im August 2013 rund 500 Millionen Nutzer in China und zusätzlich hundert Millionen in anderen Ländern gehabt haben. TheNextWeb schätzt jedoch, dass nur 272 Millionen davon aktiv sind. Durch WhatsApp könnte sich Facebook allerdings, so Bloomberg, einen asiatischen "Stützpunkt" in Indien erkauft haben, von dem aus man die Eroberung der restlichen nationalen Märkte planen könne.

Skype, Viber und Twitter werden übrigens von Analysten nicht zum mobilen Messenger-Markt gezählt, auch wenn insbesondere Twitter in letzter Zeit starke Tendenzen zeigte, sein Direct-Messaging-System auszubauen. (fsc, derStandard.at, 20.2.2014)

  • KakaoTalk: Unbestrittener Marktführer in Südkorea.
    foto: reuters/lee jaewon

    KakaoTalk: Unbestrittener Marktführer in Südkorea.

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