Facelifting für Facebook

Kommentar20. Februar 2014, 00:04
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Facebook hat eine jüngere Klientel und die Handy-Kommunikation dringend notwendig, aber der Kaufpreis von 19 Milliarden Dollar ist heftig

So viele Jahre hat Facebook zwar noch nicht auf dem Buckel, eine Verjüngungskur benötigt der Social-Media-Primus dennoch. Und Gründer Mark Zuckerberg schlägt gleich zu. Mit dem Kauf von WhatsApp verleibt sich Facebook nicht nur einen rasant wachsenden Dienst ein, die Kalifornier kaufen vor allem einen jugendlichen Kundenstock.

Das Verschicken von Kurznachrichten, Bildern und Videos über das Smartphone ist für Kids Volkssport und Kommunikation zugleich. Mit der internetbasierten App hat Firmenmitgründer Jan Koum, der nun in den Facebook-Vorstand einzieht, eine echte Alternative zum SMS etabliert.

Die wenigen vom geheimnisumwitterten Start-Up publizierten Zahlen sind beeindruckend: Mehr als 400 Millionen Menschen nutzen die Applikation im Monat und täglich kommt eine Million hinzu. Am Tag werden demnach bis zu 27 Milliarden Messages abgesetzt.

Das Wachstum, von dem Zuckerberg nur träumen kann, ist rasant. Kein Wunder, dass Facebook schon länger ein Auge auf derartige Dienste und den Handy-Markt geworfen hat. Snapchat, ebenso wie WhatsApp eine auf Smartphones verwendete Internet-Nachrichten-Applikation, bei der Fotos oder Texte nach zehn Sekunden zerstört werden, wollte Facebook laut "Wall Street Journal" Ende des Vorjahres um drei Milliarden Dollar schlucken.

Snapchat verweigerte sich, angeblich, weil man später mit höherer Nutzerzahl noch mehr vereinnahmen will. Nun blättert der Social-Media-Riese ein Vielfaches für den Konkurrenten hin. Angesichts sinkender Akzeptanz bei Jugendlichen, die nicht unbedingt auf dem gleichen Netzwerk vertreten sein wollen wie ihre Eltern, mag das Facelifting gut tun.

Allerdings ist der Preis echt heiß, trotz Wachstumsaussichten und Jungbrunnen. Keine Frage: Facebook kann sich den Deal leisten, zudem wird der Kaufpreis von 19 Milliarden Dollar großteils via eigene Aktien aufgebracht. Doch die Bewertungen der US-Internetgrößen sorgen für zunehmende Skepsis. Nicht wenige Analysten sehen schon länger eine Blase heranwachsen.

Wenn man sich die Marktkapitalisierung der einzelnen Titel ansieht, kann einem angst und bang werden. Facebook hat die Marke von umgerechnet 100 Milliarden Euro längst überschritten, Google marschiert kontinuierlich auf den Wert von 300 Milliarden Euro zu. Multiplikatoren, mit denen traditionell vom Gewinn auf den Firmenwert hochgerechnet wurde, kann man mittlerweile beim Umsatz anwenden. Sollte es im Internetsektor einmal wirklich krachen, dann ordentlich. (Andreas Schnauder, derStandard.at, 20.2.2014)

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