Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar

19. Februar 2014, 23:53
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WhatsApp vor allem bei jugendlicher Zielgruppe beliebt - Branchen-Insider kritisieren überhöhten Preis

In der teuersten Übernahme seiner Geschichte kauft das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook für rund 19 Milliarden Dollar den SMS-Dienst WhatsApp. Mit dem Coup will Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Popularität seines Unternehmens vor allem bei jungen Nutzern steigern. WhatsApp habe in nur fünf Jahren mehr als 450 Millionen Nutzer gewonnen und jeden Tag kämen rund eine Million dazu, erklärte Zuckerberg am Mittwoch auf seiner Homepage. "So etwas hat zuvor noch niemand anderes in der Weltgeschichte geschafft", schwärmte der Facebook-Chef von seiner neuen Eroberung.

Zweifel

Branchen-Insider bezweifeln allerdings, ob der bisherige Erfolg von WhatsApp die für Facebook beispiellose Übernahmesumme rechtfertigt. Zum Vergleich: Für den Fotodienst Instagram hatte das Online-Netzwerk vor seinem Börsengang gerade einmal eine Milliarde Dollar auf den Tisch gelegt. Und mit den 19 Milliarden Dollar gibt Facebook nun deutlich mehr Geld aus, als es bei seinem eigenen IPO eingenommen hatte.

Nutzung

WhatsApp ist ein Programm für mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets und gehört zu den beliebtesten Anwendungen (Apps) der Welt. Es ermöglicht den Nutzern, Kurznachrichten, Fotos und Audiodateien über eine Internetverbindung zu schicken. Damit kostet WhatsApp deutlich weniger als die traditionellen SMS-Textnachrichten der Mobilfunkanbieter. Schließlich haben die meisten Handy- oder Tabletnutzer eine Internet-Flatrate. Die Nutzungsgebühr für WhatsApp beträgt bislang einen Dollar pro Jahr, wobei das erste Jahr kostenlos ist.

Unabhängig

Whatsapp solle als eigenständiges Unternehmen mit seinen bekannten Diensten erhalten bleiben, versprach Zuckerberg. "Die richtige Strategie ist, sich weiterhin auf Wachstum und Produkt zu konzentrieren." Die Übernahme werde mit vier Milliarden Dollar in Bar und Facebook-Aktien im Wert von zwölf Milliarden Dollar bezahlt werden, teilten beide Unternehmen nach US-Börsenschluss mit. Hinzu kommen drei Milliarden Dollar in Sonderaktien für die WhatsApp-Gründer, womit sich ein Gesamtpreis von 19 Millliarden ergibt. Der Miterfinder und Firmenchef von WhatsApp, Jan Koum, rückt außerdem in den Facebook-Verwaltungsrat auf.

Reaktione

"Grundgütiger, das ist ein guter Deal für WhatsApp", sagte der Silicon-Valley-Veteran Jonathan Teo, ein früher Investor des konkurrierenden Kurznachrichtendienstes Snapchat. Aus strategischer Sicht mache der Schritt aber durchaus Sinn. Facebook sei schließlich stark bei Inhalten, hinke bei der Kommunikation seiner Nutzer aber hinterher. Bei den Anlegern von Facebook machte sich zunächst keine Begeisterung breit. Im nachbörslichen Handel verloren Facebook-Aktien rund drei Prozent auf 66,36 Dollar. Auch der Aktienkurs des südkoreanischen Mobilfunkanbieters Naver, der den WhatsApp-Konkurrenten Line im Angebot hat, geriet unter Druck und rutschte knapp acht Prozent in den Keller.  (Reuters, 20.1.2014)

  • Facebook ist wieder auf Einkaufstour gegangen.
    foto: reuters

    Facebook ist wieder auf Einkaufstour gegangen.

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