Verschnulzte Rachefantasien im Ronacher

19. Februar 2014, 23:32
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Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" zum Musical umgeformt - Eine Nachtkritik

Wien – Nach dem spektakulären Bauchfleck Natürlich blond suchen die Vereinigten Bühnen Wien nun also ihr Glück in der Verarbeitung von Friedrich Dürrenmatts Besuch der alten Dame. Im Ronacher wird die zum Musical ungeformte grotesk-entlarvende Story über die wohlhabende Seniorin, die in Racheabsicht ihren Heimatort Güllen aufsucht, zu einer dramaturgisch doch elegant gebauten Show mit eklektischer Musik. 

Es wurde rockiges Material ersonnen, wie auch symphonischer Bombast. Auch hört man u.a. Anleihen an das jazzig-klassische Musical. Das Ganze ist so opulent wie genau inszeniert. Regisseur Andreas Gergen hat bei diesem 2013 in der Schweiz uraufgeführten Opus handwerklich fetzig gearbeitet und Gruppeneffekte grell organisiert. Pia Douwes ist als Claire Zachanassian eine souverän strenge Dame mit der nötigen vokalen Intensität. Uwe Kröger (als ihre Jugendliebe Alfred) steht ihr als sein Ende vorausahnendes Panikbündel an Präsenz nichts nach. Am Ende lässt bei ihm die vokale Kraft etwas nach. 

Dieses Duo, das einst im Musical Elisabeth turtelte, trägt den Abend, der indes an großteils blassen Songs und Liedtexten leidet. Heftiger Applaus aber für ein solides Stück (Buch: Christian Struppeck). Möge die sentimentalisierte Geschichte um menschliche Abgründe die Kassen füllen. Ansonsten bekommt die subventionierende Stadt Wien womöglich auch ihr Burgtheater-Problem. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 20.2.2014)

  • Die "alte Dame" Pia Douwes (rechts) kommt zu Besuch.
    foto: apa/pfarrhofer

    Die "alte Dame" Pia Douwes (rechts) kommt zu Besuch.

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