Ukrainischer Informationskrieg

Kommentar der anderen19. Februar 2014, 18:38
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Moskau gibt die Message über den Maidan vor

Obwohl das Thema zuletzt regelmäßig in den Weltmedien präsent ist, orientiert sich das Publikum schlecht in der Ukraine. Zu gründlicher Analyse gibt es wenig Bereitschaft, dafür aber ist es einfach, fertige Klischees zu übernehmen. Eine Auflistung: 

1. Die Ukraine ist ein gespaltenes Land, die Proteste repräsentieren den Willen des ukrainischen Volkes nicht, der Osten unterstützt die Opposition nicht.

2. Rechtsradikale und Hitler-Adepten stehen auf dem Maidan.

3. Janukowitsch wurde rechtsmäßig gewählt, man muss auf die nächste Wahl warten.

4. Man darf nicht revoltieren, nur weil es einen unpopulären politischen Beschluss – die Absage des Assoziationsabkommens mit der EU – gegeben hat.

5. Es ist nicht klar, welche Ziele die Ukrainer verfolgen. Wen wollen sie als Präsidenten sehen?

6. Der Konflikt ist das Ergebnis des politischen Machtkampfs zwischen der Partei der Regionen und der Opposition oder auch zwischen der EU und Russland. 

7. Der Maidan will die Macht gewalttätig erobern, für das Blut tragen beide Seiten Verantwortung.

Solche Informationen werden großteils durch Moskau formuliert. Sie werden nicht nur in russischen Medien oder durch Journalisten verbreitet, die von der russischen oder ukrainischen Regierung bezahlt werden. Diese Informationen geben auch unabhängige Analysten weiter, die sich im Bann dieses künstlich konstruierten Diskurses befinden. 

In diesem Informationskrieg müssen der Euromaidan und engagierte Ukrainer einen Gegendiskurs bilden. Sie müssen Juden auf dem Maidan als Beispiele nennen oder Bürger aus dem Osten und Süden. So können Medien weltweit nicht mehr einfach über die nächste Gewalteskalation berichten, sondern über den Kampf zwischen dem Bösen und dem Guten, wie er von uns verstanden wird. (Olena Trehub, DER STANDARD, 20.2.2014)

Olena Trehub ist Direktorin des US-Consulters Global Education Leadership.

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