Wer die Hypo-Gläubiger sind, wie es weitergeht

19. Februar 2014, 18:47
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Banken, Fonds und Versicherungen haben in die Schulden der Hypo Alpe Adria investiert, oft zu relativ niedrigen Zinsen

Frage: Wer sind die Gläubiger der Hypo Alpe Adria, die im Fall der Anstaltslösung schadlos bleiben und mit Steuergeld ausbezahlt werden?

Antwort: Es ist ein Who is Who der globalen Finanzbranche. Gute Zahlen gibt es vor allem für die Anleihen, die in Fonds liegen. Heimische Anbieter wie die Bawag PSK Invest oder die Raiffeisen KAG zählen dazu, auch die zum deutschen Versicherungskonzern gehörende Allianz Invest. Genauso wie international agierende Fondsgesellschaften, etwa der US-Vermögensverwalter Blackrock, die Schweizer UBS oder die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank. Daten von Bloomberg etwa, die allerdings zeitverzögert verfügbar sind, weisen aus, dass die DWS knapp 320 Millionen Euro an Anleihen hält, UBS-Fonds 79 Millionen, die heimische Kepler Fonds KAG 64,9 Millionen Euro. Die Liste der Gläubiger ist damit zwar lang. Allerdings geben die Fonds-Zahlen nur über einen kleinen Teil der rund 12,5 Milliarden Euro an Anleihen Aufschluss (rund ein Zehntel). Welche Banken etwa Anleihen halten oder gar direkt Kredit vergeben haben, ist aktuell kaum herauszufinden.

Frage: Was ist mit Hedgefonds? Verdienen ausgerechnet diese spekulativen Verhikel an der Hypo?

Antwort: "Bislang waren die Papiere für Hedgefonds völlig uninteressant, erst in der aktuellen Diskussion lecken sie Blut", sagt Alexander Froschauer. Der Österreicher ist Anleihen-Chef bei AXA Investment Managers in Frankfurt. In den vergangenen Wochen sind die Preise der Hypo-Papiere auf neue Tiefststände gefallen. Sie locken mit steigenden Renditen.

Frage: Warum sollen Hypo-Papiere für Hedgefonds bis dato uninteressant gewesen sein?

Antwort: Weil sie relativ wenig Rendite abgeworfen haben. Ein Beispiel: Die Hypo-Alpe-Adria-Anleihe, die bis Juni 2016 läuft (ISIN XS0281875483). Die Bank zahlt auf die Anleihen einen Kupon von 4,375 Prozent. Als sie vor rund acht Jahren begeben wurde, zahlte die Hypo gerade einmal 0,2 Prozent mehr Rendite als die Republik Österreich. Zum Vergleich: Auf einem Sparbuch verdienten private Anleger 2006 etwas mehr als drei Prozent, bei einer Bindung von unter einem Jahr. Dank der Landeshaftung wurden die Anleihen der Hypo fast genauso wie Anleihen der Republik Österreich behandelt, mit nur geringen Risikoaufschlägen.

Frage: Aber es handelt sich bei den Hypo-Anlegern um professionelle Investoren. Hätten die nicht die Risiken der expansiven Hypo sehen müssen?

Antwort: Auch bei Profi-Investoren gibt es die Nachfrage nach Sicherheit - etwa durch Gesetzgebung. 2006 etwa hat die Bawag PSK Invest Anleihen der Hypo gezeichnet, vor allem für mündelsichere Fonds, bestätigt Martin Bohn, der Anleihenchef des Fondshauses. Bei mündelsicheren Anlagen müssen Verluste praktisch ausgeschlossen sein. Unternehmen etwa müssen zur Deckung von Pensionsrückstellungen in derart sichere Wertpapiere veranlagen. Dank der Landeshaftungen bei den Hypothekenbanken wurden auch die Schulden der Landes-Hypos als risikofrei gesehen.

Frage: Wankt damit das System der Landeshaftungen?

Antwort: Die US-Ratingagentur Moody's geht jedenfalls in die Richtung und hat auch die Ratings von anderen Landes-Hypos in Tirol und Vorarlberg gesenkt. Die Ratingagentur beruft sich in ihrer Herabstufung auf die laufende Diskussion zu einer Hypo-Insolvenz. Am Mittwoch hat etwa SP-Klubobmann Andreas Schieder für eine Beteiligung von Investoren, Land Kärnten und Bayern LB an den Abwicklungskosten der Hypo Alpe Adria plädiert. Angesichts der politischen Wortmeldungen halten es die Moody' s-Analysten für möglich, dass die Garantie Kärntens für die Hypo Alpe Adria nicht zur Gänze bedient wird, Kärnten damit mögliche Verpflichtungen nicht erfüllen wird. "Das wäre ein verheerendes Signal", warnt etwa Michael Grahammer, Vorstandsvorsitzender der Hypo Landesbank Vorarlberg. "Die Pleite einer Bank wie der Hypo Alpe Adria ist die eine Sache. Aber ein Haircut für ein Bundesland hätte nicht abschätzbare Folgen", warnt er auf Anfrage des Standard. "Klar ist, dass die Landeshaftungen wertlos werden, wenn Kärnten zum Präzedenzfall wird", sagt auch Froschauer.

Frage: Wie kann es bei den Landeshaftungen weitergehen?

Antwort: Das System gehört ohnedies bald der Vergangenheit an. Seit 2007 durften keine neuen Haftungen vergeben werden, das hat die EU 2004 verordnet, weil sie die Haftungen als wettbewerbsverzerrend einstufte. Doch Experten warnen, dass eine Pleite der Hypo trotzdem schwerwiegende Folgen hätte. Alleine für 50 Milliarden Euro an Bankschulden stehen die Länder als Garantiegeber gerade, ein Sechstel des österreichischen Wirtschaftsprodukts.

Frage: Wenn man das Experiment wagt und besicherte Anleihen nicht bedient, was wären die Folgen für den Finanzplatz?

Antwort: Fakt ist, dass sich die Republik Österreich auf dem Kapitalmarkt Jahr für Jahr Milliarden ausborgen muss, um seine Defizite zu finanzieren. Seit Jahresbeginn platzierte die Schuldenagentur OeBFA etwa 2,5 Milliarden Euro an Anleihen. "Ein Staat der ohne wirtschaftliche Not seine Schulden nicht bezahlt, wird niemanden finden, der ihm noch Geld borgt", warnt Froschauer. Bis jetzt ist aber von einem Misstrauen gegen die Republik nichts zu spüren. Die Zinsen auf zehnjährige österreichische Staatsanleihen liegen aber noch bei historisch niedrigen 1,93 Prozent. Die jüngste Debatte und die Moody's-Herabstufung könnte aber Banken und Unternehmen bei der Kreditaufnahme schaden. (Lukas Sustula, DER STANDARD, 20.2.2014)

  • Finanzexperten warnen vor einem Präzedenzfall bei der Hypo, der auch andere Bundesländer und Landesbanken in Probleme stürzen könnte.
    foto: apa/gindl

    Finanzexperten warnen vor einem Präzedenzfall bei der Hypo, der auch andere Bundesländer und Landesbanken in Probleme stürzen könnte.

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