IMBA: Mechanismus zur Bekämpfung von Metastasen entdeckt

19. Februar 2014, 19:02
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Am Wiener IMBA ist es gelungen, die Bildung von Metastasen zu bremsen - Nun soll ein Medikament für onkologische Patienten entwickelt werden

Wien - Metastasen in verschiedenen Organen sind die häufigste Todesursache bei Krebspatienten. Somit ist ihre Bekämpfung eines der zentralen Themen in der Onkologie. Österreichischen Wissenschaftern vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) ist in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Deutschland, den USA und Australien nun ein Durchbruch auf diesem Gebiet gelungen, den sie in der Zeitschrift "Nature" publizierten.

In ihrer an Mäusen durchgeführten Studie konnten die Forscher zeigen, dass das Protein Cbl-b das angeborene Immunsystem blockiert. Es agiert als Enzym und verhindert, dass sich die sogenannten "natürlichen Killerzellen" (NK-Zellen) effektiv gegen die Tumorzellen zur Wehr setzen. Löst man aber diese Bremse, also deaktiviert man das Protein Cbl-b, wird das Immunsystem "scharfgestellt". Die NK-Zellen könnendann hocheffektiv Metastasen bekämpfen.

Das ihrer Studie zugrunde liegende Konzept der Krebsimmuntherapie, bei dem das körpereigene Immunsystem in den Kampf gegen den Krebs miteinbezogen wird, bewertet die renommierte Fachzeitschrift Science als sehr vielversprechend. Dort wurde diese Strategie sogar zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2013 gekürt.

Ein neues Molekül

In ihrer Studie, bei der sieben Jahre lang Brustkrebs und Melanome bei Mäusen untersucht wurden, ist es den Forschern nun gelungen, den Pfad zu identifizieren, über den Cbl-b die Funktion der NK- Zellen reguliert. Mithilfe eines eigens dafür entwickelten Moleküls konnten sie die Rezeptoren, über die Cbl-b wirkt, blockieren. "Cbl-b wirkt über die so genannten TAM-Rezeptoren wie eine molekulare Bremse auf die NK-Zellen", erlärt Magdalena Paolino, Mitarbeiterin am IMBA und Erstautorin der Studie. "Wenn wir diese Rezeptoren mit unserem Molekül - oral verabreicht oder als Injektion - gezielt blockieren, werden die Metastasen in unseren genetischen Modellen deutlich reduziert".

Entscheidend war dabei auch die Kooperation mit dem Lead Discovery Center der Max Planck Gesellschaft in Dortmund, wo von Chemikern jenes Molekül entwickelte wurde, das in der Studie als Inhibitor funktionierte.

50-jähriges Rätsel gelöst

Mit ihrer Arbeit schlugen die Forscher gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn abgesehen von ihrer vielversprechenden Erkenntnis konnten sie gleichzeitig auch ein altes Rätsel in der Krebstherapie lösen.

Seit 50 Jahren wusste man aus Experimenten, dass der weitverbreitete Blutgerinnungshemmer Warfarin in der Lage ist, Metastasen in Versuchen mit Mäusen zu reduzieren. Der zugrunde liegende Mechanismus war aber bisher unbekannt.

Die Forscher konnten nun nachweisen, dass es genau der von ihnen entdeckte Signalweg ist, der auch die anti-metastatische Wirkung von Warfarin verursacht. "Dieses Ergebnis liefert einen Anstoß, die Behandlung von Metastasen mit Warfarin und anderen Vitamin K-Antagonisten erneut zu überdenken", sagt Magdalena Paolino.

Theorie und Umsetzung

Die Forscher hoffen nun, dass ihre Entdeckung bald im klinischen Bereich eingesetzt wird. "Etliche Firmen arbeiten schon an diesen Rezeptoren, und es ist zu hoffen, dass sie angeregt durch unsere Entdeckung ihre Arbeit darauf ausrichten.", sagt Josef Penninger, Leiter der Arbeitsgruppe und Direktor des IMBA.

Auch eine von Penninger selbst mitbegründete Firma soll noch heuer mit der ersten Phase einer Studie zu Cbl-b beginnen. Die Übertragung der Ergebnisse aus den Experimenten mit Mäusen müsste dabei laut Penninger recht unkompliziert sein. "Soweit wir wissen, funktioniert Cbl-b im Menschen genauso wie in der Maus." (guge, DER STANDARD, 20.2.2014)

  • Metastasenbildung in Mäuselungen: Verlauf mit aktivem Protein Cbl-b (oben links und rechts); Verlauf nach Deaktivierung des Proteins Cbl-b (unten links) bzw. nach genetischer Mutation (unten rechts).
    foto: imba

    Metastasenbildung in Mäuselungen: Verlauf mit aktivem Protein Cbl-b (oben links und rechts); Verlauf nach Deaktivierung des Proteins Cbl-b (unten links) bzw. nach genetischer Mutation (unten rechts).

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