Skifahrende Chinesen als Exportchance

20. Februar 2014, 13:47
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China wirbt bereits für die Olympischen Winterspiele. Bei der größten Wintersportmesse im Asien/Pazifik-Raum stellen auch Österreicher aus

Pekinger Verkehrsbusse fahren mit Werbeaufdrucken, auf denen die Olympischen Winterspiele begrüßt werden. Sie meinen nicht Sotschi, wo Chinas Sportler mit bisher dreimal Gold auf sich aufmerksam machten: "Gebt Gas für unsere Winterspiele 2022 in Peking und Zhangjiakou", steht auf den Bussen.

Als Spätankömmling in Sachen Wintersport hofft China, zum nächsten olympischen Austragungsort nach Seoul 2018 zu werden. Im November kündigte Peking die gemeinsame Bewerbung seiner beiden 220 Kilometer voneinander entfernten Städte an. Eine neue Hochgeschwindigkeitsbahn soll sie in nur 40 Minuten verbinden.

Dickes Aussteller-Plus

Klaus Dittrich, Geschäftsführer der Messe München International, sagte zum STANDARD: "Wir spüren den Auftrieb, den diese Bewerbung Chinas Wintersport gibt. Es geht jetzt erst richtig los." Das war die gute Nachricht zur Eröffnung der von München gemanagten Ispo Beijing 2014. Nach zehn Jahren hat sie sich mit der ihr angeschlossenen Alpitec China zur größten Wintersportmesse im Asien/Pazifik-Raum gemausert. "2005 starteten wir mit 153 Ausstellern. Heute sind es 431", sagte Dittrich.

Chinas wachsender Mittelstand habe den Freizeitsport entdeckt. München wolle daher künftig neben der Winter- auch eine Sommer-Ispo in China ausrichten. Sie könnte schon im Juni oder Juli 2015 in Peking oder Schanghai mit Ausstellern für Outdoor-, Wasser- und Laufsport, Campingausrüstungen und Bergsteigen beginnen.

Kleidung, Chipkarten, ganze Skigebiete

Von solchen Veranstaltungen können auch österreichische Unternehmen profitieren. Bei der in Peking bis 22. Februar laufenden Ispo/Alpitec stellen sie auch unter dem Dach eines Gemeinschaftsstandes aus. Sie erwarten, dass der noch in den Kinderschuhen steckende Wintersport in China seine Nische verlässt. Aus einem zur Messe erschienenen Branchenbericht des österreichischen Außenwirtschaftscenters Peking geht hervor, dass der Skilauf "neuerdings zur Trendsportart" mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial wird.

Dabei geht es nicht nur um Markenski oder Winterkleidung. Österreichische Firmen wie Axess liefern Chipkarten und Zutrittsysteme für Skiresorts, entwerfen wie das Unternehmen masterconcept komplette neue Skigebiete, die auch außerhalb der Wintersaison ganzjährig genutzt werden sollen. Nach Angaben des chinesischen Skiverbands sind seit 2000 rund 400 Skiresorts mit 587 Sesselliften in China entstanden.

Rund sechs Millionen Chinesen fahren Ski oder Snowboard. Diese Zahl würde sich bis Ende 2015 auf zehn Millionen erhöhen und für einen Umsatz von umgerechnet fast 500 Millionen Euro sorgen. Der seit Jahren in China tätige österreichische Skiberater und Ausbildner Wolfgang Preisinger warnt vor der Zahlenarithmetik. Die meisten Resorts taugten nicht viel. Er schätzt die wirkliche Zahl regelmäßiger Skifahrer auf knapp eine halbe Million. "80 Prozent der Anfänger machen nicht weiter", weil fehlende Skischulen, schlecht ausgebildete Lehrer und Ausrüstungsmängel ihnen allen Spaß verleiden. "Hier ist noch viel zu tun." (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 20.2.2014)

  • Vor dem Eingang zur Messe standen die Besucher Schlange. Einmal hineingekommen, konnte auch geklettert werden.
    foto: erling

    Vor dem Eingang zur Messe standen die Besucher Schlange. Einmal hineingekommen, konnte auch geklettert werden.

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